Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Weiss  man,  wie  kläglich  es  mit  der  Nahrung  des  Feldarbeiters  steht,  so
ist  es  leicht  zu  sehen,  dass  der  Gewinn,  den  der  Arbeiter  aus  dem
Akkordlohn  bezieht,  auf  Kosten  seiner  physischen  Kräfte  und  seines
Nahrungszustandes  entsteht.  Die  Akkordlohnsätze  werden  durch  die
jeweilige  Höhe  der  Tagelöhne  bestimmt.  Ueberall  werden  zuerst  Tagelöhner ­
  gesucht  und  überall  bieten  sich  sowohl  einheimische,  wie  Wanderarbeiter ­
  zunächst  als  Tagelöhner  ein.  Die  Gründe  dafür  haben  wir  schon
am  Anfang  dieses  Kapitels  erörtert.  Erst  nach  den  Tagelöhnern  werden
auch  die  Akkordarbeiter  gedungen.  Aber  in  den  Gegenden  und  in  den
Jahren,  in  denen  ein  Mangel  an  Arbeitskräften  besteht,  werden  die
Akkordlöhne  häufiger  angewandt,  als  die  Tageiöhne.
Auch  da,  wo  nicht  einzelne  Arbeiter,  sondern  Artjels  gemietet
werden,  wird  meistens  Akkordlohn  bezahlt.  Sowohl  die  Artjels,  als  auch
die  einzelnen  Arbeiter  mietet  man  in  der  Regel  auf  Verlangen  der  Arbeiter
nur  auf  je  zwei  Wochen,  sodass  sie  in  zweiwöchentlichen  Perioden  ausgelohnt ­
  werden.
4.  Der  Verdienst  der  Fristarbeiter.
Die  Quellen  über  die  Löhne  der  Fristarbeiter  sind  noch  lückenhafter ­
  und  mangelhafter,  als  es  bei  den  Tagelöhnen  und  den  Akkordlöhnen ­
  der  Fall  war.
Die  vom  Ackerbauministerium  jährlich  veröffentlichten  Mitteilungen
der  Grundbesitzer  konnten  wir  aus  den  genannten  Gründen  nicht  benützen.
Auch  von  den  Gouverneurberichten  konnten  wir  wenig  Gebrauch
machen,  da  zu  ihren  sonstigen  Mängeln  noch  der  Fehler  kommt,  dass
sie  im  Durchschnitt  für  verschiedene  Perioden  berechnet  sind.  Die
Löhne  für  den  Saisonarbeiter  zeichnen  sich  durch  eine  so  charakteristische
Eigentümlichkeit  aus,  die  wir  im  Nachfolgenden  zu  erörtern  haben,  dass
eine  Durchschnittsberechnung  nichts  beweisen  kann.  Es  bleibt  uns  also
von  allen  Quellen,  die  wir  über  die  Fristlöhne  besitzen,  nur  die  Angaben
der  Semstwo-Berichte  des  Gouv.  Cherson.  Zwar  beziehen  sich  diese
nur  auf  ein  Gouvernement,  doch  sind  sie  trotzdem  von  hohem  Interesse.
Das  Gouv.  Cherson  ist  nämlich  das  am  meisten  charakteristische  für  das
ganze  neurussische  Gebiet.  Ferner  sind  die  Schwankungen  der  Fristlöhne
in  den  verschiedenen  Gouvernements  sogering,  dass  man  wohl  sagen  kann,
dass  wir  eine  vollständige  Vorstellung  von  den  Fristlöhnen  auch  in  den
übrigen  Gouvernements  besitzen,  nachdem  wir  diejenigen  des  Gouv.  Cherson ­
  kennen  gelernt  haben.  Schliesslich  sind  in  den  Semstwoberichten  des
Gouv.  Cherson  alle  Lohnsätze  für  die  verschiedenen  Arbeiterkategorien
und  für  die  verschiedenen  Zeiträume  am  besten  und  ausführlichsten
            
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