342 Siebentes Buch. Zweites LKapitel.
waren Aufträge, die königliche Gesandte ihrem Herrn
überbringen sollten!
Es war ein leidenschaftlicher, form- und taktloser Schritt,
ein in der bisherigen Art der Verhandlungen zwischen Papst
und König unbegründetes Vorgehen. Heinrich ward dadurch
zum Schlimmsten hingerissen. Er berief zum 24. Januar 1076
eine allgemeine deutsche Synode nach Worms. Zahlreich war
sie vom Klerus besucht; auch die Laienfürsten waren vertreten;
man wußte wohl, es würde sich um einen Hauptschlag handeln.
Sofort trat man mitten in die Beratung. Man erhitzte sich
über die Kunde von neuen päpstlichen Anschlägen; man hörte
mit Abscheu, was ein abtrünniger Kardinal Hugo über Person
und Wesen des Papstes vortrug. Dann verfaßte man ein
Schreiben an den Papst, das ihn der Tyrannei und Gewalt—
thätigkeit, des Meineides und des Bruches kanonischer Be—
stimmungen bezichtigte: er sei kein Papst mehr; man werde ihm
nicht gehorchen. Dem Schreiben aber fügte Heinrich später
ein königliches Manifest bei, das die leidenschaftliche Sprache
des Zeitalters und des Tages redet und nach den heftigsten
Anklagen dem Papst den Stuhl Petri verbietet: tu ergo..
omnium episcoporum nostrorum iudicio et nostro dampna-
tus descende, vendicatam sedem apostolicam relinque;
alius in solium beati Petri ascendat, qui nulla violentia
religionem palliet, sed beati Petri sanam doceat doctrinam!
Mit Jubel hörten die Bischöfe der Lombardei von den
Wormser Beschlüssen; sie schworen ihnen zu und übernahmen
es, sie nach Rom zu übermitteln.
In Rom traten die königlichen und lombardischen Ge—
sandten zur Zeit der Fastensynode unter die versammelten Väter
und verlasen unter deren sprachlosem Entsetzen die deutschen
Briefe, darin die Aufforderung an die Kardinäle, einen neuen
Papst aus Deutschland zu erbitten. Eine furchtbare Entrüstung
brach schließlich aus und wandte sich sogar gegen die Boten;
nur Gregor selbst blieb ruhig und rettete die Mutigen vor
Schmach und Verletzung.
Dann aber verkündete er den Bann über König Heinrich