Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Heinrich IV.; Königtum und Papsttum im Kampfe. 343 
und alle, die der Wormser Synode zugethan gewesen. Und 
hieran schloß er ein Gebet zum Fürsten der Apostel, in dem er 
König Heinrich auch seiner weltlichen Würde entband, ihm die 
Regierung verschloß und seine Unterthanen der Treue gegen ihn 
ledig sprach: ut sciant gentes et comprobent, quia tu es 
Petrus et supra tuam petram filius Dei vivi aedificavit 
occlesiam suam, ét porte Inferi non praevalebunt ad- 
versus eam. 
III. 
Noch auf dem Tage von Worms hatte Herzog Gottfried 
von Niederlothringen, zugleich Markgraf von Tuscien, dem 
König versprochen, den neu zu wählenden Papst nach Rom zu 
führen. Da wurde er am 26. Februar 1076 ermordet. Es 
war ein für das deutsche Königtum kaum zu verwindender 
Schlag. 
Um so eifriger ging Gregor in Italien und Deutschland 
vor. Während er Robert Guiscard zunächst noch nicht wieder 
an sich zu fesseln vermochte, beherrschte er nach Gottfrieds Tode 
Tuscien durch die Großgräfin Mathilde. In der Lombardei 
nahm er die Pataria jetzt ganz in päpstliche Dienste gegen die 
königsfreundlichen Prälaten; in Deutschland wußte er seinen 
Bannflüchen bei einer großen Anzahl frommer Bischöfe Nach— 
druck zu verleihen. Nicht lange, und die deutschen Pfaffen— 
fürsten duckten sich oder schwenkten zum Papste ab, während 
in den unteren Reihen des Klerus volle Verwirrung der Ge— 
wissen und sittlicher Verfall bald offen hervortrat. Und auch 
die Laienfürsten erwiesen sich verführerischen Mahnungen 
Gregors zugänglich, allen vorweg fast die süddeutschen Herzöge. 
Sie hatten dem König zwar geholfen den Sachsenaufstand 
dämpfen, mit nichten aber waren sie einverstanden mit den 
darauf folgenden Versuchen des Königs, eine in sich gefestete 
Monarchie im Sinne Konrads II. oder auch nur Heinrichs III. 
in Italien und Deutschland zu begründen. 
Selbstverständlich begannen bei solcher Wendung auch die 
Sachsen wieder zu hoffen.
	        
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