Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Entstehung, Blüte und Verfall des Larlingischen Weltreichs. 17 
allen Einfluß geraubt; die Häuser der Priester galten als Brut⸗ 
tätten des Lasters; Laien waren Äbte und Bis chöfe; Erzbischöfe 
als Oberinstanzen über den Bischöfen kannte man kaum noch 
dem Namen nach, Synoden waren wenigstens in Austrasien 
während des 7. Jahrhunderts nicht mehr gehalten worden. Es 
var ein grauenhafter Verfall, während auf deutschem Boden, 
jenseits des Rheines, die Missionskirchen des heiligen Bonifatius 
herrlich zu gedeihen begannen. 
Dieser Gegensatz trat nach dem Tode Karl Martells vor 
allem Karlmann, dem Herrscher Austrasiens, entgegen. Schon 
im Jahre 742 berief er daher eine Versammlung seines Reiches 
zur Reform der Kirche; unter dem Beirat Bonifazens wurden 
in ihr die ersten Grundlagen eines neuen Lebens gelegt: Bischöfe 
untadligen Wandels berufen, die Priester der Diöcesen ihnen 
unterstellt, Jahressynoden beschlossen, disciplinare Vorschriften 
für Laien und Priester erlassen, endlich die der Kirche entfrem— 
deten Güter dieser grundsätzlich wieder zugesprochen. Es waren 
Anfänge, die durch eine Synode des folgenden Jahres erweitert 
und bekräftigt wurden, bis schon im Jahre 744 die Bewegung 
von Austrasien nach Neustrien, dem Reiche Pippins, übersprang. 
Auf dem Untergrund der Beschlüsse sowohl einer neustrischen 
wie einer austrasischen Synode dieses Jahres konnte dann 745 
die erste fränkische Gesamtsynode tagen: die Reform der ganzen 
Landeskirche schien gefichert— 
Allein nun trat alsbald die Frage auf, ob denn die 
reformierte Kirche eine Landeskirche werde bleiben können? 
Mit immer größerem Eifer hatte Bonifatius sich der fränkischen 
Kirchenreform gewidmet ; die Lösung, die er der germanischen 
Kirchenorganisation gegeben!, ließ keinen Zweifel darüber, 
daß er auch die fränkische Kirche dem Papsttum unterordnen 
werde; von Anbeginn war er den Königen als Missus beati 
Petri entgegengetreten. Und bereits schien er seinem Ziele 
nahe. Im Frühjahr 747 leitete er ein⸗ fränkische Gesamt⸗ 
ynode, in der es ausgesprochen ward man wost⸗ sich dem 
Bal. Bd. J S. 857 ff. 
damprecht, Deutsche Geschichte II.
	        
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