Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 383 
Domes beisetzen: nach mehr als fünf Jahren unstäter Grabes— 
ruhe ein eigenartiger Triumph des großen Kämpfers und zehn— 
fach Gebannten. 
Durch die Reihen der Gregorianer aber ging ein Schrei 
des Entsetzens. Hatten darum die großen Päpste des 11. Jahr⸗— 
hunderts die gesetzliche Rückforderung aller Kirchen und Zehnten 
aus Laienhänden, das Verbot, Kirchengut zu verkaufen, die Un— 
gültigkeit aller Verträge, wonach Kaiser Kirchengut zu Eigen 
besitzen konnten, aufs feierlichste beschließen lassen, damit ein 
Papst Spott triebe mit den weltlichen Machtmitteln der Kirche? 
Es kam zum offnen Zwiespalt zwischen Papst und Gregorianern. 
Während Paschalis sich weigerte, Kaiser Heinrich zu bannen, 
getreu einem geleisteten Eide, nahm es sich der Erzbischof Guido 
von Vienne, der Führer der französischen Gregorianer, heraus, 
im September 1112 auf einer Synode von Vienne den Kaiser 
von sich aus zu exkommunizieren, und die Extremen in Italien 
vermochten den willensschwachen Papst schließlich dazu, die Be— 
schlüsse dieser Synode anzuerkennen. 
Vor allem aber mußte dem Kaiser jetzt die Herrschaft in 
Deutschland schwer gemacht werden. Man konnte die Kirche 
mobil machen, deren Bischöfe teilweise gregorianisch gesinnt 
waren; man konnte den Laienfürsten zeigen, daß ihre Interessen 
auf der päpstlichen Seite lägen; man konnte endlich das alte 
Rezept der Aufstachelung des sächsischen Sondersinns wieder 
hervorholen. Und schon fand sich in dem Erzbischof Adalbert 
von Mainz, einst dem Vertrauten Heinrichs, jetzt seinem 
grimmigsten Feinde, der kluge Führer der Bewegung, und 
im Gegensatze zu den Zeiten Heinrichs IV. gelang es, den 
Episkopat vom Könige zu trennen. 
Heinrich V., listig, mißtrauisch, von Jugend auf in den krummen 
Wegen der Diplomatie zu Hause, übersah frühzeitig die Lage. 
Er ließ den Erzbischof verurteilen und führte ihn in Gefangen— 
schaft. Er ging 1112 erfolgreich gegen die Sachsen vor, die 
unter ihrem Herzog Lothar von Supplinburg, dem Nachfolger 
des ausgestorbenen billungischen Geschlechtes, Selbständigkeits— 
gelüste zeigten; schon im Januar 1114 unterwarf sich Lothar
	        
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