384 Siebentes Buch. Drittes Kapitel.
auf einem Reichsstage zu Mainz und gelangte wiederum in den
Besitz der kaiserlichen Gnade.
So schien aller Widerstand im Reiche beseitigt; es war
der Höhepunkt der Herrschaft Heinrichs V.; am 7. Januar 1114
feierte er seinen Triumph durch Vermählung mit der englischen
Königstochter Adelheid-Mathilde.
Allein die Erfolge hielten nicht vor. Die Thatsache, daß
sich Heinrich durch die brüske Lösung der Investiturfrage hoff—
nungslos nun auch mit den geistlichen Fürsten verfeindet hatte,
blieb bestehen; sie führte bald zu einem engen Bunde zwischen
Pfaffen- und Laienfürsten gegen die Handlungen des Kaisers.
Schlimmer noch war es vielleicht, daß die Nation den frohen
Glauben an die Persönlichkeit Heinrichs verloren hatte; man
wußte wohl, daß er kein Mittel scheute, um seine lediglich
politischen Ziele zu erreichen.
Unter diesen Umständen löste ein an sich unbedeutender Vor—⸗
gang die allgemeine Mißstimmung aus. Heinrich war 1114
gegen die Friesen gezogen, von der Notwendigkeit überzeugt, sie
dem Reiche wieder fester angliedern zu müssen. Auf dieser Fahrt
fiel das Kölner Kontingent schon im Beginn der Kämpfe in
einen friesischen Hinterhalt: sofort witterte es Verrat des Kaisers
und zog heimwärts. Heinrich war nicht in der Lage, so offenen
Verdacht und Ungehorsam ungestraft zu lassen; er gab den
friesischen Krieg auf und eilte nach Köln. Und nun entspann
sich am Niederrhein eine wüste Fehde, in deren Verlauf die
Kaiserlichen schließlich bei Andernach geschlagen wurden.
Gerade in diesem gefährlichen Augenblicke, am 6. Dezember
1114, verhängte der päpstliche Legat Kuno auf einer Synode
zu Beauvais von neuem den Bann über den Kaiser. Nun
brachen die Sachsen los, niemals ganz unterworfen; sie be—
siegten Heinrich am 11. Februar 1115 am Welfesholze bei
Mansfeld. Das war das Zeichen näherer Verbindung zwischen
Sachsen und Gregorianern; wiederum ward der Bann über
den Kaiser, erst zu Reims, dann zu Köln, verkündet. Heinrich
gab dem bisher noch gefangen gehaltenen Erzbischof Adalbert
von Mainz seine Freiheit. Adalbert ging aber sofort zu