Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Fünftes Buch. Erstes Kapitel. 
herrschte er seit 749; vorwärts wies seine energische Politik 
das Gesamtreich auf inneren wie äußeren Fortschritt: sollte er 
sich da mit dem Titel eines Hausmeiers begnügen? 
Er wagte den Schritt, den drei Generationen früher sein 
Ahn Grimwald mit dem Leben gebüßt hatte; er mußte Gewiß— 
heit suchen für die Zukunft seiner Familie; er griff nach Krone 
und Königsstab. 
Aber er war klug genug, dem Staatsstreich, soviel an ihm 
lag, den Charakter leisen und friedlichen Uberganges von langer 
Hand her zu sichern. Hierzu schien ihm die vorherige Zu— 
stimmung des Papstes, der höchsten moralischen Autorität des 
Abendlandes, von außerordentlicher Bedeutung: auch von seiten 
des Frankenherrschers wird jetzt eine enge Verbindung mit dem 
Papsttum Bedürfnis. 
Im Jahre 751 näherten sich fränkisches Königtum und 
Qurie auf Grund der tiefsten Interessen ihres Daseins. Unter 
der Voraussetzung späteren fränkischen Schutzes billigte, ja be— 
fahl! der Papst die königliche Krönung Pippins; im Herbst 751 
vard sie auf Grund einer Wahl durch alle Franken vollzogen. 
Es ist noch nicht dieses Ortes, auszuführen, wie von nun 
ab geistliche und weltliche Macht im Frankenreich als Doppel— 
seele eines Körpers bald sich zu fördern, bald sich zu bekämpfen 
begann: wie in der Blütezeit der Karlingischen Periode der 
Staat sich die Kirche und das Papsttum nahezu einverleibte, 
wie dann in den bewegten Jahrhunderten der deutschen Kaiser— 
zeit ganz im Gegenteil Papsttum und Kirche den Staat ver— 
nichteten und verschlangen; wie in dem langen Kampfe beider 
Bewalten doch schließlich die Macht der Ideen siegte über 
wechselvoll gebrauchte äußere Macht: schon die nächsten Folgen 
der Verbindung waren von unendlicher Bedeutung. 
König Pippin, vom Papste im Jahre 754 persönlich im 
Frankenreich aufgesucht und um Hilfe gegen die Langobarden 
Lehentlich gebeten, versprach dem römischen Stuhle Schutz und 
mindestens Zurückgabe des geraubten Besitzes, zu dem die päpst— 
liche Tradition den ganzen römischen Dukat und Ravenna rechnete. 
1 Fue. 749.
	        
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