Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 407
Jerusalem, ging auf ihre Sonderinteressen ein und beschloß,
Damaskus zu erobern: Edessa, das ursprüngliche Ziel des
Zuges, war längst dem berechnenden Blicke entschwunden, und
von den Kreuzfahrern hat nicht einer seine Trümmer auch nur
von ferne erschaut.
Dem deutschen Kriegsplane schloß sich auch König Ludwig
an; er kam nach Palma bei Akkon, nachdem ihm der antioche—
nische Graf sein Weib verführt hatte.
Allein auch der Zug nach Damaskus scheiterte, obwohl
König Konrad in einem Kampfe vor der Stadt Wunder der
Tapferkeit that: er scheiterte nicht an der Ungunst des Landes,
nicht an verkehrter Führung des Heeres oder mißtrauischer Ab—
gunst des griechischen Kaisers: er scheiterte am Verrat der mit
den Moslemin verbundenen lateinischen Christen. Das un—
würdige Schauspiel wiederholte sich bei einem weiteren Unter—
nehmen, bei der Belagerung von Askalon: es war klar, daß
den Orient die Anwesenheit beider Könige verdroß. Die
Könige aber überkam Verachtung und Ekel; Ludwig verließ
Ostern 1149 die syrische Küste; schon im Herbst 1148 hatte
sich Konrad heimwärts gewandt.
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Der zweite Kreuzzug in seiner Einleitung war zweifelsohne
das äußere Zeichen einer Niederlage des Papsttums und der
hierarchischen Partei gewesen. Er bezeichnete aber nicht minder,
auch ohne Rücksicht auf seinen Ausgang, eine Niederlage des
deutschen Königtums. Konrad hatte sich völlig gebeugt vor dem
begeisternden Zuruf der romanischen Partei Bernhards; als
Knecht jenes kirchlichen Gedankens, der das Papsttum über—
wunden, hatte er sich dem Kreuzzug verschrieben.
Diese Haltung des Königs ist schon von politisch denkenden
Zeitgenossen, z. B. vom Bruder des Königs, Friedrich von
Schwaben, getadelt worden. In dem Augenblicke, wo der Zwie—
spalt zwischen Eugen III. und Bernhard, zwischen hierarchischem
Papsttum und neuen Reformgedanken zu Tage trat, war der