Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

410 Siebentes Buch. Drittes Kapitel. 
lichen Truppen in dem Augenblick, da man die Rückkehr König 
Konrads erwartete: Roger versuchte, den Papst nach Rom zu 
führen. 
Konnte sich da Konrad päpstlicher Hilfe gegen den Sizi— 
lianer getrösten? — Und schon ward er auch von andrer Seite 
her aufs eigenartigste bedroht. 
Roger hatte die Franzosen gegen ihn gewonnen. Das leb— 
hafte französische Temperament gestattete dem König Ludwig und 
seiner Umgebung, für das Unglück des Kreuzzuges vor allem 
den griechischen Kaiser verantwortlich zu machen — den Ver— 
bündeten Konrads. Es war eine Stimmung, die Roger eifrig 
schürte; durch die sizilianischen Staaten kehrte König Ludwig 
nach Frankreich zurück; bald erging er sich in offener Miß— 
stimmung gegen die deutschen Genossen der unglücklichen Fahrt 
und ihren König. 
So stand bei einem Angriffe auf Roger die Feindschaft 
des Papstes und Frankreichs und nur die stets als schwächlich 
erprobte Hilfe von Byzanz zu erwarten: Konrad zog über die 
Alpen heimwärts; die Hoffnungen seiner italienischen Politik 
waren gescheitert; nicht bloß Unteritalien, auch Mittel- und 
Oberitalien waren für ihn verloren. 
In Deutschland aber stand es nicht besser. Die Kreuzfahrt 
hatte hier den weitverbreiteten Geist des Mißmutes und der 
Empörung in ihren Anfängen wohl darniedergeschlagen. Aber 
bald erhoben sich die alten Stimmungen von neuem; das Reichs— 
regiment konnte sich kaum noch halten; und die Kurie rechnete 
es sich später, freilich anscheinend mit Unrecht, zum Verdienste 
an, daß sie die Drohungen eines allgemeinen Aufstandes während 
der Abwesenheit Konrads vereitelt habe. 
Verzweifelt aber erschien die Lage von neuem in dem 
Augenblick, da Welf, der Führer der oberdeutschen Linie der 
Welfen, vorzeitig vom Kreuzzuge heimkehrte und Geldmittel, 
die er Roger verdankte, zur Erregung eines Aufstandes benutzte. 
Nun gelang es allerdings Konrad, nachdem er die Alpen über— 
schritten hatte, diese oberdeutsche Empörung zu dämpfen und 
mit Welf ein gütliches Abkommen zu treffen. Indes alsbald
	        
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