Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Entstehung, Blüte und Verfall des Karlingischen Weltreichs. 25 
stellten sich Widukind und Abbio, die vornehmsten Führer des 
Aufstandes. Mit großem Gefolge ritten sie ins Frankenland 
zur Taufe; zu Attigny an der Aisne wurde die feierliche Hand⸗ 
lung vollzogen; König Karl selbst war Pate. Halb freiwillig, 
in bloßem Vertrage beugten die Sachsen sich unter das sanfte 
Joch Christi, das härtere des Frankenkönigs: dem entsprach 
es, wenn in den folgenden Jahren die christliche Mission im 
Sachsenlande in langsamem Fortschritt wirkte. Karl hat in 
dieser Zeit die Capitulatio de partibus Saxoniae erlassen. 
Seine neue Gesetzgebung betonte vor allem die Herstellung der 
kirchlichen Gewalt und den Schutz des Klerus, sie gab eine 
Reihe von kirchlichen Disciplinarvorschriften für die Laien, sie 
sorgte in strengen Bestimmungen für die Aufrechterhaltung der 
Landesruhe, sie versuchte schon einige fränkische Rechtsnormen 
einzuführen, und sie setzte die bisherige Politik des Eroberers 
fort, indem sie die Edlen des weiteren begünstigte. Freilich 
waren die Strafbestimmungen des Gesetzes drakonisch, sein erster 
Teil kennt fast nur Todesstrafen, das ewig wiederholte morte 
moriatur, capite punietur am Schlusse der Abschnitte macht 
einen furchtbaren Eindruck. Aber das Recht des Stammes 
selbst galt noch später als überaus streng, und fast jede Todes— 
strafe konnte durch Veichte vor dem Priester oder Zuflucht zu 
einem christlichen Altare vermieden werden. 
So schien die Generation des Widerstandes der Jahre 778 
bis 785 endgültig unter die Macht der Franken und des 
Christentums gebeugt zu sein. Anders dachten die Jungen der 
Folgezeit. Unerträglich fanden sie Frankenherrschaft und kirch— 
lichen Zehntendruck, hassenswert Gerichtsgewalt und Heerbann 
des stammfremden Königs. Von neuem entbrannte der Auf— 
stand. Karl hat auch diesen letzten Teil des Krieges in mehr 
als zehnjährigen Kämpfen zu Ende geführt. Außer den alten 
Mitteln wandte er jetzt vor allem die regelmäßige Versendung 
aufständischer Sachsen, namentlich Edler, ins Frankenreich an, 
sei es zu dauernder Ansiedlung, sei es als Geisel: bis zu sieben 
Tausend sind in einem Jahre weggebracht worden; so wurden 
der drohenden Empörung die Führer entrissen, und die heim—
	        
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