Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Die Karlingische Renaissance. 
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Zeiten Aldhelms von Malmesbury und des ehrwürdigen Beda, 
der größten, wenn vielleicht auch nicht originellsten Vertreter 
dieses neuen Schrifttums, die Zeiten lebhafter Dichtung und 
Brieflitteratur, deren Ausläufer auf deutschem Boden wir im 
Briefwechsel des heiligen Bonifatius vor Augen haben. 
So wahrten die Angelsachsen die antiken UÜberlieferungen 
im Laufe des 7. und 8. Jahrhunderts fast besser, gewiß aber 
fleißiger, als das klassische Land dieser Überlieferungen, als 
Italien selbst. Doch welche Vorteile blieben trotzdem Italien 
gewahrt! Wie wirkte hier der Anblick so vieler noch nicht zer⸗ 
störter Denkmäler einer großen Vergangenheit auf den ästheti— 
schen Sinn der Bevölkerung; welche Fülle unbewußter Über— 
lieferung vererbte das unmittelbare Anknüpfen an die Antike in 
Lebenshaltung und Sitte; und welche Mittel reichster Belehrung 
standen dem suchenden Sinne in den unerschöpflichen Biblio— 
— DD0 
germanischen Eroberer des Landes, hatten sich diesen Eindrücken 
und Gelegenheiten nicht entziehen können, wenn sie sich ihnen 
auch weniger hingaben, wie ihre Vorgänger an der Herrschaft, 
die Goten. An ihrem Königshofe, der unter dem kräftigen 
Regimente der Könige Liutprand, Ratchis und Aistulf im Laufe 
der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts nochmals zu großer Be— 
deutung emporblühte, wie an den zahlreichen Fürstenhöfen des 
Landes lebte man noch immer im Abglanz der feinen gesell— 
schaftlichen Bildung der römischen Kaiserzeit, trieb man wissen⸗ 
schaftliche Studien und erfreute sich an den heiteren Maßen 
klassischer Dichtung; noch bestand am Königshofe eine vielbesuchte 
Pfalzschule, und eine Tochter des letzten Langobardenkönigs Desi⸗ 
derius, Adalperga, wie ihr Gemahl Arichis galten als kenntnis⸗ 
reiche Verehrer des klassischen Altertums. 
Nur wenig wollten gegenüber diesen germanischen Trägern 
der alten Bildung in Italien die Überlieferungen des altein— 
heimischen Teiles der Bevölkerung besagen; Rom hat in dieser 
Zeit keinen auch nur nennenswerten Schriftsteller oder Gelehrten 
hervorgebracht, und Ravenna stand während des harten Regiments 
der Byzantiner unter dem Zeichen künstlerischen wie litterarischen
	        
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