Politische Wirkungen der veränderten gesellschaftlichen Schichtung. 83
Sie waren abgeschnitten vom unmittelbaren Verkehr mit
den werbenden Schichten des Volkes; von den landarbeitenden
Klassen trennte sie die Großgrundherrschaft und späterhin noch
darüber hinaus die Landesherrschaft, von den Bürgern die
mmer selbständigere Wege einschlagende Verfassung der städti⸗
schen Räte. Nur durch zwiefache Abstufung und doppelte Ver⸗
dünnung hindurch gelangten somit die Wirkungen der königlichen
Gewalt zur Masse der Landbevölkerung, und war ihr Einfluß
auf die Stadtbevölkerung an fich mehr unmittelbar, so wurde
er doch fast vollkommen alteriert durch den republikanischen
Charakter des städtischen Wesens.
Unter diesen Umständen konnten die Könige auf die gesell—
schaftlichen Kämpfe kaum anders einwirken, als vom Standpunkte
politischer Machtbeziehungen her. So schwächten sie den Adel
gelegentlich durch starke Konfiskationen! oder begünstigten ihn
oder wenigstens einzelne Persönlichkeiten aus seiner Mitte durch
Verleihung staatlicher Hoheitsrechte; so griffen sie bald fördernd
bald zurückhaltend in die Verselbständigungsversuche der städti⸗
schen Gemeinden ein. Zu den untersten Klassen des Volkes aber
unterhielten sie durchgängig nur die Beziehungen, deren Wahrung
ihnen christliche Liebesgebote nahe legten: sie schützten Waisen
und Witwen, sie nahmen sich der Verlassenen an; vielleicht daß
auf diesem Gebiete auch die Erinnerung an die energischen Schutz⸗
maßregeln Karls des Großen zu Gunsten der Armen gelegentlich
eine reichere Thätigkeit veranlaßte?.
Darüber hinaus haben die Könige grundsätzlich nur einen
dienenden Stand des platten Landes gefördert, die Ministerialen.
Es waren dafür vor allem militärische Rücksichten maßgebend:
die Dienstmannen füllten die Kontingente der Reichsvasallen.
Zuerst griff Konrad II. hier ein, ein König, der überhaupt von
1 Von 288 Güterschenkungen Ottos des Großen beziehen sich 26 auf
tonfisziertes Gut, ogl. von Inama, Deutsche Wirtschaftsgeschichte 2, 118
Anm. 4.
3 Vgl. Schwsp. Laßb. 71. Über weitergehende Bestrebungen ogl.
Breßlau, Konrad II, 2, 8379.