156 Menntes Buch. Erstes Napitel.
predigten im alten Stil, doch nicht mehr mit alter Begeisterung,
berief der Kaiser von sich aus auf den Sonntag Lätare Jeru—
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Mainz: und hier unterwarf sich Philipp von Köln, ward Hein—
rich VI. zum Reichsstatthalter eingesetzt, nahmen der kaiserliche
Held und sein Sohn Friedrich von Schwaben das Kreuz zur
Kriegsfahrt nach Osten. Darauf bestellte Friedrich noch weiter
das Reich, indem er mit Heinrich dem Löwen ein Abkommen
auf fernere Verbannung traf und das thatsächlich im Reich
bestehende Fehderecht der Großen in die geregelten Bahnen
einer kaiserlichen Konstitution lenkte: und dann brach er, fast
siebenzigjährig, im Lenz des Jahres 1189 von Regensburg auf,
um ein trefflich discipliniertes Heer von mindestens zwanzig—
tausend Rittern gen Osten zu führen.
Die Fahrt ging die Donau hinab; herrlich ward man in
Wien, zuvorkommend in Gran empfangen; Mitte August be—
fand man sich in Sofia. Von nun ab begannen die Schwierig—
keiten. Der griechische Kaiser Isaak Angelos fürchtete, es sei
auf die Begründung einer hyzantinischen Secundogenitur der
Staufer abgesehen; nur gewaltsam brachen die Deutschen zum
Bosporus durch, und glücklich waren sie, als sie ihren Kaiser
als letzten aller ÜUberfahrenden auf dem Boden eines andern
Weltteils begrüßten. Darauf tauchten die altbekannten Be—
schwernisse des kleinasiatischen Überlandweges auf, und trotz
anfänglich freundlichen Verhältnisses zum Sultan von Iconium
mußte der Durchmarsch durch den glänzenden Sieg von Philo—
melium und die glückliche Schlacht in den Gärten von Iconium
(7. und 18. Mai 1190) erzwungen werden.
Damit aber waren die größten Gefahren überwunden; nach
einigen Märschen durch das schneegekrönte Gebirge des Taurus,
nach frohen Tagen in dem marktreichen Cilicien lagerte das
Heer am 10. Juni an den grünen Ufern des Salef. Hier nahte,
ungeahnt, das Unglück. Der Kaiser ertrank, wahrscheinlich beim
Baden, vielleicht auch nur beim Durchreiten des überkalten Ge—
wässers.
Der Tod des Kaisers veranlaßte die teilweise Auf—