Aufschwung des KRönigtums unter den Staufern. 161
licher Versammlung des Reiches zu Mainz endlich entlassen werden
sollte, vermochte ihn der Kaiser schließlich durch nochmaliges Aus—
spielen des französischen Gegensatzes dazu, sich außer dem alten Ver—
sprechen zur Zahlung eines Lösegeldes von 10000 Mark!“ auch
noch als Lehnsmann des Kaisers für sein englisches Reich zu
bekennen; blendend trat der universale Gedanke des Kaisertums
hervor aus den deutschen Wirren der letzten Jahre.
Und schon war es möglich, ihn erneut durch Italien zu
tragen, nach Sizilien, dem alten Ziel der kaiserlichen Wünsche.
Das Lösegeld Richards gewährte die finanziellen Mittel, in
Deutschland herrschte Ruhe am Rhein, versöhnten sich die
Welfen Sachsens endgültig mit dem Kaiser; der junge Heinrich
von Braunschweig, des Löwen Sohn, bereitete sich vor, mit ihm
nach Süden zu ziehen, und der alte Löwe starb ein Jahr nach
einer feierlichen Sühne mit dem Kaiser zu Braunschweig, den
6. August 1195.
Und auch in Italien hatte der Kaiser den Zug aufs beste
vorbereitet. Er hatte offen feindliche Stellung gegen die Kurie
genommen, deren politische Zirkel die staufische Eroberung Siziliens
unter allen Umständen stören mußte; und er hatte dadurch, daß
er die Städtebünde in Oberitalien gegeneinander ausspielte, hier
einen Zustand friedlichen Gleichgewichts geschaffen, der den Päpsten
nicht gestattete, eine starke gegenkaiserliche Partei zu bilden.
So war die Lage, als in Sizilien kurz nacheinander Roger,
der Sohn Tankreds, und König Tankred selbst starben, Tankred
am 22. Februar 1194. Tankreds Sohn Wilhelm, der einzige
Überlebende des Königshauses, war dreiiährig: das Reich harrte
des staufischen Erben.
Kaiser Heinrich zog im Sommer 1194 durch JItalien,
zerstörte Salerno, eroberte Apulien. Heinrich von Kalden schlug
die Sizilianer bei Catania und stürmte Syrakus. Am 20. No—
vember zog der Kaiser in den palermitanischen Wunderpalast
1 In unserem Gelde etwa 31 Millionen Mark.
Lamprecht, Deutsche Geschichte III