Zerfall des Reiches.
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band er nach Herkunft und Schicksal recht eigentlich englische
und niederdeutsche Interessen.
Inzwischen hatte sich aber auch die staufische Partei endlich
entschlossen; am 8. März 1198 hatte sie den Herzog Philipp
don Schwaben zum König gewählt.
Der Gegensatz zwischen beiden Königen, der sich nunmehr
in Deutschland entwickelte, bewegte sich zunächst im wesentlichen
noch auf dem alten sozialen Boden. Es zeigte sich, daß das
Bürgertum Süddeutschlands mit Ausnahme von Straßburg
nicht gesonnen war, den partikularen, niederrheinischen Interessen
der Kölner zu folgen; es hielt zu Philipp. Da sich so die
bürgerlichen Kräfte gegenseitig aufwogen, so blieben die Partei—
ungen noch im Ganzen fürstlichen Charakters; Otto hatte
die Territorien in den alten Landen des Gegenkönigtums, in
Sachsen und am Niederrhein, für sich, Philipp die Laienfürsten
von Süddeutschland, Böhmen, Meißen, ferner die Ministerialität
und die Mehrheit des Episkopates.
Die Sympathieen der Pfaffenfürsten für Philipp gaben
Otto Anlaß, den allgemeinen Gegensatz sofort auf das kirchliche
Gebiet hinüberzuspielen; um den Episkopat und die Kurie zu
gewinnen, verzichtete er auf das Regalienrecht und bewilligte
damit eine der kurialen Forderungen, die der Reichstag von
Belnhausen noch im Jahre 1186 zurückgewiesen hatte; zugleich
gestand er dem Papst die sogenannten Rekuperationen in Mittel—
italien zu, territoriale Erwerbungen weit über das ursprüngliche
Patrimonium Petri hinaus, die sich auf das Herzogtum Spoleto,
die Mark Ancona wie einige Teile Tusciens bezogen. Das
Schlimmste bei diesen Maßnahmen war, daß sie den beginnenden
Bürgerkrieg in Deutschland alsbald den Einflüssen der Kurie
oreisgaben.
Nun war aber die Macht des Papsitums seit dem Tode
Kaiser Heinrichs wieder beträchtlich gewachsen. In Italien war
sofort nach dem Hingang des Kaisers überall starke Verwirrung
eingetreten; nur in Sizilien hatte sich die staufische Herrschaft
unversehrt erhalten. In diesem Augenblick hatte der Kardinal⸗
diakon Lothar von Segni, erst siebenunddreißigiährig, als Inno—
Lamprecht, Deutsche Geschichte III. 17