Zerfall des Reiches.
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die nunmehr am Bosporus herrschten: wie leicht konnten sie
eine Direktion der griechischen Streitkräfte nach Italien zu
Gunsten des deutschen Königs veranlassen — um so mehr, als
jetzt, nach der Besiegung Ottos, eine Romfahrt König Philipps
überaus wahrscheinlich ward.
So beschloß Innocenz III. sich zu Philipp freundlich zu
stellen — und er vermochte das um so mehr, als er die Zeit
des Doppelkönigtums schon dazu benutzt hatte, die deutsche Kirche
und das deutsche Reich in den Wahlangelegenheiten der Bischöfe wie
in allen kirchlichen Streitigkeiten eines großen Teiles ihrer bis—
her noch bewahrten Selbständigkeit zu berauben. Im Sommer
1207 zogen zwei Kardinallegaten über die Alpen, im August
sprachen sie König Philipp des Bannes ledig. Darüber hinaus
führten Besprechungen über die Regelung der italienischen Ver⸗
hältnisse zu dem Plan, einen päpstlichen Nepoten mit einer Tochter
Philipps zu vermählen und ihn mit Tuscien, Spoleto und der
Mark Ancona zu belehnen: der Weg Philipps nach Rom war
zeebnet.
Aber ehe der Plan zur Ausführung gelangte, wurde der
heitere, liebenswürdige Fürst auf der Altenburg oberhalb Bam⸗
herg vom Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach aus privater Rach—
sucht ermordet, am 21. Juni 1208.
II.
Sofort nach Philipps Tode suchte König Otto wieder in
Deutschland festen Fuß zu fassen. Es gelang ihm früh in
seiner sächsischen Heimat; um allgemein anerkannt zu werden,
mußte er die staufische Partei gewinnen. In ihr war jetzt die
Reichsdienstmannschaft die bestimmende Kraft; je mehr die Fürsten
in den Kampfjahren des Doppelkönigtums haltlos zwischen Otto
und Philipp geschwankt hatten, um so mehr war die treue Mi⸗
nisterialität zur entscheidenden Rolle gelangt. Es glückte Otto,
sie an sich zu fesseln, indem er alle speziell welfischen Pläne
fallen ließ und seine Vermählung mit Beatrix, einer Tochter
des ermordeten Königs anstrebte: indem er Erbe ward des