Zerfall des Reiches.
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des Papstes konnte er im November 1212 einen Vertrag mit
König Philipp von Frankreich abschließen, der ihm 20000 Mark
zur Verfügung stellte: eine Summe, die besonders wog,
nachdem König Philipp durch unsinnige Verschleuderung von
Reichsgut die finanzielle Macht der deutschen Krone arg ge—
schwächt hatte. Das Geld floß durch die Hände des Mainzer
Erzbischofs verschiedenen Fürsten zu, und der Erfolg war leider
— D
mals zum König gewählt, am 9. Dezember gekrönt; sein Über—
gewicht war so unzweifelhaft, daß auch die Reichsministerialität
auf seine Seite trat: Otto war halb schon vergessen.
Es bezeichnet den Charakter der ganzen Vorgänge, daß
nunmehr vor allem der Papst den Lohn seiner Unterstützung
von Fürsten und König erhielt. In einer Goldbulle vom
12. Juli 1213, die zu Eger ausgestellt ward, machen König
und Fürsten dem Papst Zugeständnisse, die Otto zwar verbrieft,
aber niemals anerkannt hatte: sie gewähren die Abtretung der
Rekuperationen und die Freiheit deutscher Appellationen nach
Rom sowie die kirchliche Freiheit zur Ketzerverfolgung; sie ver—⸗
dammen Spolienrecht und Regalienrecht; sie sprechen den Grund—
satz freier kanonischer Wahl aller Prälaten durch die Kapitel
aus: gleichgiltig fast oder wenigstens gleichmütig verlassen sie
den festen Standpunkt des Wormser Konkordates.
Es war ein Erfolg der Kurie über alle Maßen; er fiel
zeitlich nahe zusammen mit den Triumphen über die südfran—
zösischen Albigenser und den thörichten König Johann von
England.
Und weiter noch schwollen die Segel des Schiffleins Petri.
Schon längst war es der Wunsch des Papstes gewesen, einen
neuen großen Kreuzzug zum Orient unter seiner Führung zu
deranstalten. Dem war bisher die Unfertigkeit der deutschen
Verhältnisse wie der Kampf, der damals zwischen England und
Frankreich tobte, entgegengetreten. Nun herrschte in Deutschland
ein König von Papstes Gnaden, nur den Krieg zwischen Eng—
land und Frankreich galt es noch zu entscheiden. Er ward
entschieden durch die furchtbare Schlacht von Bouvines, am