Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Zerfall des Reiches. 
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Deutschland völlig unabhängig seinem Sohne Heinrich geben, daß 
dieser das Königreich als Lehen der römischen Kirche empfangen 
solle. Allein Friedrich mochte sich an dies Versprechen nach 
Innocenz' Tode nicht wörtlich gebunden halten; jedenfalls gab 
er seinen ferneren Maßregeln eine Wendung, die dem Versprechen 
wenn auch nicht formell, so doch inhaltlich widersprach, aber 
die deutschen Fürsten befriedigte und somit von einer mit der 
Kurie gemeinsamen Parteinahme losriß: er selbst wollte Kaiser 
verden und Sizilien beherrschen, während sein Sohn Heinrich 
unter ihm als König in Deutschland walten sollte: damit war 
die unmittelbare Union Siziliens und Deutschlands vermieden 
und dennoch die Gesamtkraft aller Lande in Friedrichs Hand 
zelegt. Zur Erreichung dieses Ziels aber benutzte Friedrich 
aufs Geschickteste sein Kreuzzugsversprechen; indem er dessen 
Vollzug von Termin zu Termin verschob, entriß er schließlich 
dem ungeduldigen Papst die beabsichtigte Lösung. 
Noch im Jahre 1216 ließ er seine Gemahlin Konstanze 
und den jungen Heinrich nach Deutschland kommen und ernannte 
Heinrich, eine Probemaßregel, zum Herzog von Schwaben und 
Rektor von Burgund. Der Papst widersprach nicht. Darauf 
begann er mit den Fürsten über die Wahl Heinrichs zum 
deutschen König zu verhandeln. Die Kurie wurde mißtrauisch. 
Aber Friedrich versicherte, er müsse während der Kreuzfahrt 
in Deutschland einen legitimen Vertreter haben; ihn zu erlangen 
sei die Absicht bei den Vorbereitungen zur Wahl Heinrichs. 
Inzwischen war, im Jahre 1217, der unglückselige Kreuzzug 
nach Damiette ohne Friedrichs Beteiligung unternommen worden; 
erst 1219 ward Damiette erobert; zur Weiterführung des Unter— 
nehmens harrte man dringend der Ankunft der Deutschen. 
Diese Lage nutzte Friedrich aus, um weitere Zugeständnisse des 
Papstes zu erwirken; Honorius versprach schließlich, Friedrich vor 
—000— 
zuzulassen, inwiefern Friedrich trotzdem auf Lebenszeit in den 
Besitz Siziliens gelangen könne. Damit war der Augenblick 
gegeben, die Wahl Heinrichs auch ohne vorhergehende Zustimmung 
der Kurie in Deutschland durchzusetzen; im April 1220 ward
	        
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