Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Zerfall des Reiches. 
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Die Centralgewalt aber geht in ihnen eines letzten, wenn auch 
schon mißgestalten Verwaltungskörpers verlustig; vergebens hat 
Friedrich in den Reichsvögten und Reichsschultheißen nochmals 
eine neue Verwaltung umfassenderen Stiles wenigstens für solche 
Teile des Reiches zu entwickeln gesucht, wo der König noch Landes⸗ 
herr war!: das Reich hatte sich jeder großen administrativen 
Einwirkung auf die Nation begeben. Es war der Anfang des 
Endes. 
Nichts in der That konnte die Centralgewalt nun noch 
versuchen, als kraft einer noch immer gebliebenen moralischen 
Autorität wenigstens den Frieden im Reiche durch eine allge— 
meine Verständigung unter den Fürsten und durch Aufstellung 
eines obersten Reichsschiedsgerichtes zu sichern. 
In dieser Richtung ist Kaiser Friedrich jetzt, gelegentlich 
seines letzten längeren Aufenthaltes in Deutschland, noch thätig 
gewesen. Er erließ auf einem Reichstage zu Mainz, 15. August 
— DD 
—— 
indem er die Welfen als Reichsfürsten wieder einsetzte. Dis 
weiteren hat er im Februar 1287 noch die Wahl seines Sohnes 
Konrad zum deutschen König, vornehmlich durch geistliche Hilfe, 
durchgesetzt — im übrigen erfüllten sich seine Geschicke und die 
seines Hauses in Italien. 
Der Reichsfriede vom Jahre 1285 aber ist von den Städten 
um die Mitte des 13. Jahrhunderts noch einmal im kraftvollen 
Versuche einer Neubildung des Reiches aufgenommen worden; 
von dem Bürgertum getragen, hat er sich durchgerettet in die 
späteren Jahrhunderte des Mittelalters und den Namen Kaiser 
Friedrichs als des großen Pacificators dem Andenken der Nation 
und der gestaltenden Sage vermittelt? 
Für Friedrich waren die Maßregeln in Deutschland in ihren 
Vgl. oben S. 102 f. 
2 Vgl. schon Spruch 188 Reinmars von Zweter über Friedrich als 
Friedensfürst.
	        
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