Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Zerfall des Reiches. 
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Fürsten der Wahl angenommen; die Laienfürsten zeigten schon 
damals kaum mehr tiefere Teilnahme an Reichsangelegenheiten, 
gingen vielmehr fast ausschließlich der Befestigung ihrer Landes— 
gewalt nach. Nun wurde aber ein großer Teil der Pfaffen— 
fürsten an der Unterstützung des neuen Königs durch den 
durchweg staufischen Geist ihrer Hauptstädte verhindert, den 
König Konrad klugen Sinnes entwickelt hatte. Die Folge war, 
daß Heinrich Raspe wahre Hilfe allein bei der Ritterschaft fand: 
er befand sich in der schon einmal von König Heinrich (VII.) 
eingenommenen Lage. Es wiederholten sich daher für ihn die 
Erfahrungen des flatterhaften staufischen Kaisersohns; obwohl 
er sich nach Schwaben begab, schon damals dem Herzland der 
Ritterschaft, scheiterte er; am 17. Februar 1247 ist er auf der 
Wartburg gestorben. 
Im Herbst 1247 fand man einen neuen Gegenkönig. Es 
war Wilhelm, Graf von Holland, nicht fürstlichen Geblüts, 
herbeigeholt von den Enden des Reiches, vom Niederrhein 
hegünstigt, jenem Nährboden des Gegenkönigtums seit den Tagen 
Heinrichs VIJ., wie vordem es Sachsen gewesen, zum König 
ausersehen auf einem Konzil zu Köln unter Einfluß des päpst⸗ 
lichen Legaten Petrus Capuccius!: der Wahl und dem Her— 
kommen nach ein würdiger König des Übergangs zu der fremden 
Herrschaft Richards von Cornwallis und Alfons X. von Castilien. 
Er war anfangs ein rein niederrheinischer König; nach einem 
bergebenen Versuche, die Städte zu gewinnen, flützte er sich 
gleich Heinrich Raspe auf den Adel. Da ging König Konrad IV. 
m Jahre 1281 nach Italien, 12854 starb er: seitdem war 
Wilhelm der einzige König im Reiche. Wilhelm benutzte den 
Wechsel, um sich hinaus über den bisher beschränkten Kreis seines 
Wirkens im Sinne seiner ursprünglichen, zunächst aber ge— 
scheiterten Politik vornehmlich auf die bisher staufischen Städte 
a Meister Sigeher (MS. II, 184) sagt gelegentlich seiner Wahl von der 
dolle des Papstes im Verhältnis zu den deutschen Königen: 
er sezzet si uf, er sezzet si abe, 
nach der habe 
virfet er sie hin und her als einen bal.
	        
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