288 Neuntes Buch. Viertes Kapitel.
zu stützen: zum erstenmal ward das Bürgertum die Grund—
lage königlichen Waltens im Reiche.
Die Städte hatten freilich inzwischen nahezu allein noch
den Reichsgedanken gepflegt; sie bedurften für ihren Handels⸗
betrieb des Friedensschutzes einer Centralgewalt. Und als das
Reich, schon im vollsten Zerfall, selbst dieses Erfordernis staat—
lichen Gemeinlebens nicht mehr erfüllte, waren sie dazu fort—
geschritten, den Frieden ihrerseits zu erwirken. Im Sommer
1251 hatten zuerst die westfälischen Städte Münster, Soest,
Dortmund und Lippstadt einen Bund zum Schutze des Verkehrs,
vor allem des Straßenfriedens geschlossen. Es war ein Vor—⸗
bote der größeren Bundesbewegung, die im Februar 1254 von
Mainz und Worms vornehmlich ausging, Städten, die sich seit
Alters als ein Freundespaar betrachteten, die auch schon im
Jahre 1226 den Mittelpunkt einer städtischen Einung gebildet
hatten. Der Urheber des neuen Bundes war ein Mainzer
Bürger, Arnold der Walpode; er war reich; wir wissen von ihm,
daß er im Jahre 1251 den Predigermönchen zu Mainz eine
Heimstätte errichtet hat. Der Bund bezweckte, im Sinne des
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zunächst durch Repressalien, später durch Vorbeugungsmaßregeln
namentlich auf der Rheinstraße zu unterdrücken; auch die
Ausgleichung bürgerlicher Differenzen zwischen den einzelnen
Bundesgliedern ward ihm zugewiesen. Diese Ziele konnten
nur bei ständiger Organisation einer Bundesbehörde erreicht
werden; ein gemeinsames Zwölferkollegium ward eingesetzt; das
Ganze konnte als Anfang eines staatlichen Bundes städtischer
Republiken betrachtet werden.
Der Bund aber erweiterte sich zusehends; am 18. Juli 1254
verquickte sich mit ihm ein zehnjähriger Friede, der zwischen
den großen Städten des rheinischen Verkehrsgebietes sowie den
entsprechenden Pfaffenfürsten und vielen vom Adel abgeschlossen
ward; im Februar 1255 traten mehrere Fürsten und Edle
weiterhin bei; bald folgten verschiedene, meist westfälische Städte,
denen Köln vorausgegangen war; am 29. Juni 1255 wurde
auch der Herzog von Baiern als rheinischer Pfalzgraf in die