Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Zerfall des Reiches. 
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So war es an den Fürsten, dem Vertrauen des Bundes 
durch eine glückliche Wahl zu entsprechen. Allein hierfür fehlten 
fast alle Vorbedingungen. Die alte Verfassung des Reiches war 
schon so zerklüftet, daß niemand wußte, wer eigentlich das Recht 
zur Kur besitze; und der innere Anteil der Fürsten an dem 
gemeinsamen Schicksal der Nation war derart herabgestimmt, 
daß es nicht einmal mehr zu energischer Wahlagitation kam. 
Man sprach wohl von diesem und jenem als Kandidaten, von 
Otokar von Böhmen, von Konradin, von Otto von Brandenburg; 
im Volke hielt sich hartnäckig der Glaube, Friedrich der Freidige 
von Thüringen, der frohgemute Enkel Kaiser Friedrichs II., sei 
der Herrscher der Zukunft: aber für einen von diesen lebendig 
einzutreten versuchte niemand. So meldete sich das Ausland. Es 
kam dahin, daß der Titel eines deutschen Königs, eines Kaisers, 
von fremder Eitelkeit im Sinne etwa eines heutigen zweifelhaften 
Grafentitels erstrebt ward. Es meldete sich Alfons X. von 
Castilien, ein Verwandter der Staufer, ein gefeierter Held seines 
Landes; was ihm wert war an den neuen Beziehungen, nahm er 
sich vorweg; schon im März 12856 ließ er sich von den Pisanern 
als Kaiser begrüßen. Es meldete sich Richard von Cornwallis, der 
zweite Sohn König Johanns von England, der Schwager weiland 
Kaiser Friedrichs II.; er war eitel ohne Maßen, Kandidat 
Englands, Kandidat auch der Kurie, die ihn in Sizilien gegen 
die lästig werdenden Franzosen auszuspielen gedachte. 
In Deutschland siegte Richard; für ihn sprach der deutsche 
Klerus, abhängig vom Papste, für ihn die englischen Sym— 
pathieen des Niederrheins, für ihn leider vor allem die über— 
triebene Vorstellung, die sich die fürstlichen Wähler von seinem 
Reichtum und seiner Freigebigkeit in Sachen der Wahlbestechung 
machten. So ward er gewählt, und König Heinrich III. von 
England zahlte an den Papst etwa 21/3 Millionen Mark unseres 
Geldes. Auch die deutschen Fürsten wurden bedacht; sie 
waren billiger; es erhielten angeblich der Herzog von Baiern 
270 000 Mark, der Kölner Erzbischof 180 000 Mark, der 
Mainzer 120 000 Mark, der Herzog von Braunschweig 75 000 
Mark, anderer nicht zu gedenken. 
J—
	        
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