Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sonderbildungen des deutschen Wesens in Flandern und Bolland. 328 
hundert bedeutend. Die erste Zeit größeren Aufschwungs liegt 
hier durchweg frühestens in den späteren Jahrzehnten des 18. Jahr⸗ 
hunderts; das ist die Periode einer ungemein regen Stadtrechts— 
bildung; damals haben Leiden und Haarlem, Delft und Gouda, 
Schiedam und Amsterdam neue Ordnungen empfangen. 
Die Erscheinung erklärt sich daraus, daß erst damals der 
Strom internationalen Handelsverkehrs, der schon so früh 
Flandern umspült hatte, Holland zu berühren begann. Bis 
dahin war der holländische Handel im wesentlichen der gleiche ge⸗ 
wesen, wie der flandrische bis zum Schlusse des 11. Jahrhunderts; 
er hatte in der Ausfuhr der Erzeugnisse heimischer Landwirt- 
schaft, vor allem im Käseexport bestanden, daneben hatte noch, 
als Gegenstück zur flandrischen Weberei, der Häringsfang ge— 
blüht und dem holländischen Eigenhandel fast den wesentlichsten 
Ausfuhrartikel geliefert. 
Diesem Charakter des Handels entsprach es, daß das Land 
im ganzen sich noch auf dem Standpunkt der Naturalwirtschaft 
befand: Landbau und Landesausbau standen im Vordergrund 
der wirtschaftlichen Thätigkeit und wurden mit wesentlich rein 
naturalwirtschaftlichen Mitteln betrieben. Ganz anders in 
Flandern. Hier war diese Periode längst, seit Beginn des 
12. Jahrhunderts, überwunden. Aber gleichwohl war seitdem 
die Landwirtschaft nicht zurückgetreten vor Industrie und er— 
wachendem Handel. Sie war nur eine andere geworden. Hatte 
man bis dahin den Ausbau der Moore und Heiden aus Mangel 
an Kapital vielfach nicht betrieben: jetzt stand dies Kapital aus 
bürgerlichem Erwerb reicher zu Gebote: darum begannen jetzt 
eben rege Fortschritte in der Technik der Moorkultur und der 
Kultivation der Heiden. Damit erreichte man denn in Flandern 
eine Stufe landwirtschaftlicher Bethätigung, die in Holland, 
wenn auch von ganz anderen Voraussetzungen aus, ebenfalls 
schon bestand. In Holland, dem Lande ewigen Sumpfes und wirr 
wachsenden Moorwalds, dessen beste Anbauflächen der heilige 
Bonifatius noch nicht anders als aquosa Frisonum arva hatte 
nennen können, war man von jeher zur Entwässerung der kleinen 
21*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.