Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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SZehntes Buch. Erstes Kapitel. 
Seen, zur Entsumpfung der Moore gezwungen gewesen: auch 
ohne große Kapitalien, rein mit der Macht frei waltender Arbeit 
hatte man der groben Unkultur des Bodens kämpfend entgegentreten 
müssen. So hatten sich hier aus besonderen Gründen schon sehr 
früh besonders freie Landnutzungsformen entwickelt: bereits im 
11. Jahrhundert findet sich freie Pacht gegen Pachtschilling oder 
im Teilbau, und zeitig bereits sind auch grundhörige Wirtschaften 
in ihrem Wirtschaftsbetrieb rein auf sich gestellt und nur zur 
Zahlung eines Geldzinses verpflichtet. Es sind Formen eines 
landwirtschaftlichen Daseins höherer, eigentlich geldwirtschaftlicher 
Kulturstufe, die hier, auf rauhem Boden, eine unergiebige Natur 
der Arbeit auch rein naturalwirtschaftlicher Zeitalter gewähren 
mußte. Es sind Formen, die in Flandern auf besserer, 
wenngleich ebenfalls noch beschwerlicher Erdscholle erst viel 
später, mit dem Übergang des Landes zum Industrie- und 
Handelsstaat entwickelt wurden. Und so treffen denn die bei— 
den Länder trotz sehr verschiedenartiger wirtschaftlicher Ent— 
wickelung doch in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts 
etwa, wenn nicht schon früher, in der Entfaltung höchst eigen⸗ 
artiger, besonders freiheitlich gestalteter agrarischer Lebensformen 
zusammen. 
Es sind die Voraussetzungen, von denen aus Vlamingen 
und Holländer in der Heimat eine energische Besiedelung von 
Heide und Moor durchführten, von denen aus sie aber noch 
weit Größeres erreichten: den Ausbau von Moorflächen auch im 
norddeutschen Tieflande der Weser und der Elbe, den Übergang 
von diesem Ausbau zur Kultivation binnenländischer Moorböden 
oder auch nur schwerer Humusböden der norddeutschen Ebenen 
überhaupt, die vorbildliche F—uͤhrung der ganzen großen deutschen 
Kolonisation des Ostens durch Siedlungsgemeinden vlaemischer 
und holländischer Herkunft. 
IV. 
Es ist nicht leicht, sich zu vergegenwärtigen, welches die 
besonderen rechtlichen und wirtschaftlichen Lebensformen gewesen
	        
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