Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 341
unter den Abodriten seit der Regierung Heinrichs III. ein
eigenes Reich des Knesen Gottschalk von fast königlicher Be—
deutung herausbilden; es gewann eine gewisse Wichtigkeit und
jedenfalls geschichtliches Interesse dadurch, daß Gottschalk den
Versuch machte, von sich aus in seinem Volke das Christentum
zu verbreiten. Dem trat dann freilich der Ljutizenbund
mit seinen heidnischen Tendenzen nur um so schroffer gegen⸗
über. Und nun zeigte sich rasch das Unfruchtbare einer rein
politischen Behandlung der slawischen und namentlich der elb⸗
slawischen Verhältnisse, wie sie die Kaiser des salischen Hauses
begonnen hatten. Im Jahre 1066 überfielen die heidnischen
Ljutizen die christlichen Abodriten; Gottschalk wurde ermordet,
der Bischof Johann von Mecklenburg den fremden Göttern ge⸗
opfert; dann brachen die Slawen über die deutsche, die
christliche Grenze und zerstörten Hamburg und Schleswig.
Darauf setzten sich die Abodriten von neuem einen heidnischen
Fürsten, den Kruto; als gewaltiger Bedränger der Christen und
Deutschen hat er bis zum Jahre 1098 in Buku, dem heutigen
Lübeck geherrscht.
Während aber die kaiserliche Politik in der zweiten Hälfte
des 11. Jahrhunderts mit ihrer Behandlung der slawischen
Verhältnisse endgültig Schiffbruch litt, drängten hinter ihr her
schon die Landesfürsten als bessere Erben der deutschen Interessen.
Die sächsischen Fürsten, durch mehr als ein Jahrzehnt furchtbarer
Kämpfe unter Heinrich IV. in ihren Sympathien für das Reich
entmutigt, übernahmen jetzt von sich aus die Führung der
slawischen Politik, und für ihre Entschlüsse ist nicht mehr der
Gesichtspunkt mitteleuropäischer Machtkonstellation maßgebend,
sondern anfangs der einfache Gedanke, sich reiche Tribute unter—
worfener Slawen zu verschaffen, später die Absicht, auf ssawischem
Boden deutsche Landesherrschaften mit deutschen, einträglich
zinsenden Unterthanen zu begründen. Es ist die Politik, die
zu den Anfängen einer Germanisierung des slawischen Ostens
geführt hat.