Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 339
gemacht werden, daß das Slawentum rechts der Elbe und des
Böhmerwalds sich unter deutscher Erziehung zu eigenständiger
Kultur und Herrschaft entwickeln werde.
Diese Entwickelung, die unserer Nation für den Anfang
gunstige, doch für später um so unglücklichere Aussichten eröffnete,
ward nach Ottos J. Tode jäh unterbrochen. Unter den Unglücks—
schlägen der italienischen Politik Ottos II. und Ottos III.
brachen Abodriten und Ljutizen über die Elbe, verwüsteten
große Teile Sachsens und verwuchsen zum engsten Bunde unter—
einander für die Verteidigung ihres Volkstums. Vergebens
suchte Otto III. diesen Bund zu sprengen; unter den Aufpizien
der Priester Rethras hat er noch tief in die Zeiten König
Heinrichs II. hineingeragt.
Gleichzeitig aber erwuchs im Polenland eine gewaltige,
dem gesamten deutschen Reiche furchtbare Macht. Boleslaw J.
Chrobry (902 1025) beseitigte das Übergewicht der Cechen,
eroberte Pommern und begründete ein Reich, das ums Jahr
1000 außer den Elbslawen, Cechen und Mähren schon das
gesamte nordische Slawentum von dem Gestade der Ostsee bis
zu den Karpathen umfaßte. Und Kaiser Otto III. verfehlte
von den Gesichtspunkten seiner universalen Politik aus nicht,
dies Reich zu stärken. Er ehrte es durch seine kaiserliche Be—
stätigung; er verselbständigte es durch Errichtung eines polnischen
Erzbistums in Gnesen, das mit dem Cechen Radim, einem
Bruder des heiligen Adalbert, besetzt ward — das alles zur
selben Zeit, wo im Südosten des Reiches der selbständige Staat
des heiligen Stephan und das magyarische Erzbistum von Gran
entstanden. Heinrich II., der Erbe dieser Politik, fand nach den
inneren Bewegungen, die sich an seine Thronbesteigung knüpften,
die Lage in gewissem Sinne geklärt vor. Boleslaw hatte in—
zwischen die Mark Meißen und große Teile der Ostmark,
das deutsche Herrschaftsgebiet im Lande der Sorben und
Ljutizen, sich angeeignet; er besetzte bald darauf Böhmen: seine
Stellung zum deutschen Reiche war entschieden. Für Heinrich
blieb nichts übrig als der Kampf um die Hegemonie in Mittel—⸗
europa, und er hat ihn mit allen Mitteln geführt: sogar die
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