Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 347
eingesetzt hatte, sobald er im Jahre 1142 die Herzogswürde in
Sachsen überkommen, hatte dann ganz im Sinne Albrechts
veiter gewirkt. Er zuerst rief vlaemische, holländische, westfälische
und friesische Kolonisten ins ehemals slawische Land, er begann
schon im Jahre 1148 den Bau Lübecks an Stelle des alten
Buku: er schuf die erste deutsche Stadt an der Ostsee.
Das geschah in Zeiten, da Heinrich der Löwe noch nicht
an eine Verbreitung germanischer Ansiedler, ja auch nur an die
Begründung deutscher Herrschaft und christlichen Einflusses jen—
seits der Elbe dachte. Heinrich stützte zu dieser Zeit noch den
heidnischen Abodritenfürsten Niklot in seiner Herrschaft, ja half
ihm diese erweitern, damit dessen große Tributsummen noch
reichlicher fließen möchten: nulla de christianitate fuit mentio,
sed tantum de pecunial. Allein eben vom wirtschaftlichen
Standpunkte aus wurde schließlich Heinrich weiter getrieben.
Seine Stadt Bardowiek litt zusehends unter dem rasch er—
blühenden Verkehre Lübecks: so entriß er dem Grafen den Platz.
Die Dänen, durch innere Wirren in sich zerfallen, waren jahre—
lang durch slawische Seeräuber ausgebeutet worden; schließ—
lich hatten sie Gleiches mit Gleichem vergolten und die Ostsee—
küsten geplündert. Da befürchtete Heinrich, sie möchten den
Handel Lübecks unterbinden, und beschloß die Eroberung des
Landes der Abodriten. Mit den gewaltigen Mitteln mili—
tärischer und wirtschaftlicher Art, die ihm zu Gebote standen,
ging er im Jahre 1160 gegen denselben Niklot vor, den er
hisher durch Tribute belastet hatte. Es kam zu einem Kampfe, reich
an heroischen Zügen; als letzter nationaler Held der baltischen
Slawen ist Niklot, umdrängt von feindlichem Hinterhalte, ge—
fallen. Das eroberte Land behandelte Heinrich nach dem Vor—
gange Albrechts des Bären in Brandenburg. Er verteilte die
einzelnen Bezirke lehnsweise an seine Helfer aus dem sächsischen
Adel; er stellte die alten Bistümer wieder her; doch mußten
ihm die drei Bischöfe von Oldenburg-Lübeck, Ratzeburg und
Mecklenburg-Schwerin als Landesbischöfe huldigen, ungleich
den märkischen von Havelberg und Brandenburg, die bis ins
Helmold 1. 68.