Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 349 
die Dänen behielten das Land; von Heinrich organisierte oder 
venigstens geduldete Raubzüge gegen ihre Küsten vermochten sie 
in den letzten Jahren nur zur Herausgabe der Hälfte des Tempel⸗ 
schatzes von Arcona und des Tributes, nicht zur Aufgabe der 
Herrschaft; bis zur Reformationszeit hat Rügen zum Bistum 
Roeskilde gehört. 
Besseren Erfolg hatte die deutsche Sache in Pommern. 
Nach mannigfachen Wechselfällen dänischen und polnischen Ur— 
sprungs gelang es Heinrich im Jahre 1177, mit Hilfe Ottos 
von Brandenburg, des Nachfolgers Albrechts des Bären, die 
pommerschen Knesen zum Anschluß an Deutschland zu zwingen. 
Es war die letzte slawische That Heinrichs vor seinem Sturze; 
mm Verein mit den Fürsten des rivalisierenden Brandenburgs voll⸗ 
bracht, zeigt sie, was die Kraft der neuen Kolonialstaaten zwischen 
Oder und Elbe im Beginn des letzten Viertels des 12. Jahr— 
hunderts vermochte, wenn sie gesammelt auftrat. 
Was aber die neuen Staaten weit hinweg über die persön— 
lichen Eifersüchteleien ihrer Herrscher verband, was gemeinsame 
Interessen von steter Dauer herzustellen begann, das war die 
Thatsache einer beiden schon gemeinsamen deutschen Bevölkerung. 
Denn nicht bloß erobert waren die Lande zwischen Elbe und 
Oder: germanisiert schon erschienen sie in weiten Strecken gegen 
Ende der Lebenszeit Kaiser Friedrichs J. 
III. 
Weit mehr als die Eroberung der Slawenländer im 12. 
und 183. Jahrhundert erscheint deren Germanisation als ein 
wahrhaft erstaunlicher Vorgang: es ist die Großthat unseres 
Volkes während des Mittelalters. Wo kamen jene nicht er— 
müdenden und ermattenden Mengen deutscher Ansiedler her, die 
sich in ununterbrochenem Strome durch mehr als zwei Jahr— 
hunderte in die Länder des Ostens ergossen — zur selben Zeit, 
da der deutsche Söldner die Heere seiner Kaiser wie fremder 
Fürsten zu füllen begann, da die Städte des Mutterlandes 
zurch heimische Einwanderung in außerordentlichem Wachstum er—
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.