318 Zehntes Buch. Zweites Kapitel.
14. Jahrhundert Reichsfürsten blieben wie die Bischöfe des
alten Deutschlands: so setzte es Heinrich durch unter Zustim⸗
mung seines kaiserlichen Freundes Friedrich J.
Eine Landesherrschaft bis zu den Grenzen Pommerns war
dadurch gewonnen, ungleich stärker, als die des brandenburgi—
schen Nachbars und Rivalen. Indes blieb auch ihr ein Rück
schlag seitens der slawischen Elemente nicht erspart. Im Jahre
1164 schlug Pribislaw, der tapfere Sohn Niklots, nach zähen
Widerstandsversuchen die Deutschen aufs Haupt; und Heinrich,
durch eine große Fürstenverschwörung in Sachsen bedrängt!,
mußte ihm zwei Jahre später die Verwaltung des Abodriten⸗
landes mit Ausnahme der Grafschaft Schwerin in Lehnsweise
übertragen. Pribislaw führte darauf die entwichenen Reste
seines Volkes wiederum der Heimat zu; als getreuer Vasall
Heinrichs hat er geherrscht und das heutige Fürstenhaus der
beiden mecklenburgischen Herzogtümer begründet.
Heinrich aber begann, nachdem die abodritischen Lande be—
cuhigt waren, sofort ältere Versuche gegen die letzten Horte des
Slawentums an der Ostsee kräftiger zu erneuern, gegen Rügen
und Pommern. Er mußte hierbei mit dem Wetlbewerbe der
Dänen rechnen. Schon längst hatten diese ihre Angriffe auf
das slawische Ostseegestade gerichtet; im Jahre 1160 hatten sie
sich, von neuem unter König Waldemar geeint, Rügen tribut⸗
pflichtig gemacht. Sie durchschauten Heinrichs Pläne sehr wohl,
in wie freundlichen Formen auch der Herzog ihrem Herrscher⸗
hause entgegenzukommen pflegte, und setzten alles daran, den
Deutschen wenigstens in der Eroberung Rügens zuvorzukommen.
Im Mai 1168 landeten sie an den Kreidefelsen der Insel; mit
Macht belagerten sie das Heiligtum des äußersten rügischen
Nordens, das erdumwallte Arcona; am 15. Juni 1168 fiel es
in ihre Hände. Klug stürzten sie die bisher allmächtige Priester⸗
schaft des Tempels und schufen den Landesfürsten freie Hand
zur Herrschaft und Aufbringung eines großen Tributs; ver⸗
gebens widersprach dem Heinrich, der beim Feldzuge durch den
Schweriner Bischof und seine slawischen Vasallen vertreten war;
S. oben S. 142.