Germanisation der Kande zwischen Elbe und Oder. 365
deutschen Handels nach Nowgorod und Wisby: neben die länd—
lich verstreute Kultur trat sofort die städtische Centralisation,
neben den Ackerbau Verkehr und Handel. Gleichzeitig ward
das Land in agrarischer, industrieller und kommerzieller Hinsicht
erschlossen, wie es den Anforderungen der heimischen deutschen
Kultur entsprach; niemals fehlte dem deutschen Bauer des
Kolonialbodens das Absatzgebiet, niemals dem Bürger der starke
Rückhalt des kriegerisch und wirtschaftlich schützenden Landes:
von vornherein war die volle Einsicht in die Daseinsbedingungen
eines germanischen Ostens klar gewonnen.
Die Erfahrungen des Grafen Adolf kamen schon Albrecht
dem Bären zu Gute. Indes scheint der Markgraf auf märkischem
Kolonialgebiete schon in dem vielgewanderten und viel—
gewandten Staatsmann Anselm, Bischof von Havelberg, einen
Vorläufer gehabt zu haben; wenigstens zeigen sich um die Zeit
der Rückkehr Anselms in das Bistum Havelberg (um das Jahr
1144) zum erstenmal deutliche Spuren deutscher Kolonisation
im Havelbergischen, und das Stift der Domherren des Bistums,
Jerichow, liegt inmitten holländischer Hufen. Noch vor dem
Jahre 1160 aber begann die systematische, massenhafte Koloni⸗
sation der Mark auch unter den Augen Albrechts. Nach dem
Abfall der Slawen im Jahre 1157 und ihrer darauf folgenden
Besiegung scheint ein Eigentumsrecht der slawischen Bewohner
am Boden der Mark grundsätzlich nicht mehr anerkannt worden
zu sein: der Markgraf allein und die von ihm dotierte Kirche,
sowie der aus einwandernden Ministerialen und Freien vor—
zehmlich der Altmark erwachsende Adel erscheinen als Herren
des Landes. Sie sind es, die nunmehr Deutsche, zunächst
Sachsen, doch auch Niederländer, ja Schwaben, Hessen und viel⸗
eicht auch Baiern ins Land rufen.
Und schon vollzieht sich die Germanisation des Landes in
regelmäßigen Unternehmungen völlig typischer Bildung. Einem
Lokator, der das Siedlungsgeschäft auf sich nimmt, wird Neu⸗
land für ein Dorf bestimmter Größe ausgemessen oder ein
slawisches Dorf nach Entfernung (ejectio) der Slawen zum
Besetzen mit Deutschen übergeben. Die Flur wird auf eine