Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

376 Zehntes Buch. Drittes Kapitel. 
Wienerwald gewonnen, und unter seinem Nachfolger Heinrich 
begann die deutsche Besiedelung der Ostseite des Gebirgs, soweit 
sie nur jemals in karlingischer Zeit von Deutschen bewohnt 
gewesen war. Mit vollen Händen spendeten die deutschen Könige 
Besitzrechte auf Grund und Boden; Markgraf Heinrich allein 
erhielt ein Gebiet von achtzehn Geviertmeilen, und eine große 
Anzahl baierischer Landleute mag sich auf eigene Faust in den 
Urwäldern der Abhänge niedergelassen haben. 
So konnte auch die politische Grenze weiter geschoben 
werden; unter Markgraf Adalbert (1018 - 1055) wurden Leitha 
und March erreicht. 
Es war die Zeit größten UÜbergewichts des deutschen 
Reichs gegenüber Ungarn!. Seit Mitte des 11. Jahrhunderts 
änderte sich die Lage: das Reich, im Innern zerrissen, vermochte 
seine Marken kaum noch zu decken; die Grenzen der Ostmark 
sind seitdem nur noch nach Böhmen und Mähren hin erweitert 
worden, bis die Kolonisten des Nordens und Südens hier in⸗ 
mitten der großen Grenzwälder aufeinanderstießen und die Grenze 
in gegenseitigem Hader der böhmischen und der österreichischen 
Fürsten gefestet ward. Es geschah das um 11785, zu einer Zeit, 
wo das österreichische Markgrafentum schon hohe Achtung im 
Reiche errungen hatte, wo einer seiner Fürsten als Kandidat 
für den Thron genannt worden war, wo das Land unter 
besonderen Freiheiten der Verwaltung und Erbfolge (1156) 
zum Herzogtum erhöht worden war. 
Inzwischen waren aber auch die südlichen Vorländer 
Kärntens, im oberen Gebiete der Sau, Donau und Mur er— 
starkt. Kärnten, das im ursprünglichen Sinne auch Krain und 
die Steiermark mit umfaßt hatte, war gegen Ende des 10. Jahr⸗ 
hunderts zu einem besonderen Herzogtum erhoben worden ; doch 
vermochte kein Fürstenhaus im Lande recht Fuß zu fassen; auch 
war die Bevölkerung noch weitaus zum größten Teile slawisch, 
namentlich gegen die östliche Grenze, so daß das —XVX 
Vgl. Band II S. 2366 ff.
	        
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