380 Zehntes Buch. Drittes Kapitel.
Gleichzeitig aber zogen wohl auch Deutsche in die Zips, in die
Nordwestecke des Ungarnlandes; hier gründeten sie im Laufe
eines Jahrhunderts eine Fülle deutscher Städte, darunter Käs—
mark und Leutschau; im Jahre 1271 haben sie von König
Stephan V. einen großen Freiheitsbrief erhalten. Doch energischer
noch verstärkte sich das deutsche Element in Siebenbürgen;
schon am Ende des 12. Jahrhunderts erscheinen die Deutschen
als wichtige Bestandteile der ungarischen Kriegskräfte und
als dem Könige finanziell besonders wertvoller Teil der Be—
völkerung.
Im Beginn des 13. Jahrhunderts aber schien es, als sollte
sich den Deutschen hier eine außerordentliche Zukunft eröffnen.
König Andreas II. von Ungarn, nach Thronstreitigkeiten eines
Jahrhunderts der erste einigermaßen unbestrittene Herr im
Lande, doch Erbe eines durch Adel und Kirche geschwächten
Königtums, berief zum Schutze Siebenbürgens wie der magya⸗
rischen Ebenen an Donau und Theiß im Jahre 1211 ven
deutschen Orden ins Reich und übergab ihm das Burzenland
im füdöstlichen Siebenbürgen mit dem Auftrag der Grenzwehr
zgegen die räuberischen Kumanen. Mit außerordentlichem Eifer
ging der Orden ans Werk; er rief deutsche Ansiedler ins Land;
er griff über die Schneeberge hinweg ein in die walachische
Ebene; er eignete sich die weiten Oden königlicher Waldungen
in seiner Nachbarschaft an: er strebte nach eigener Herrschaft.
Aber zu offenkundig, zu rasch war dies Vorgehen. Nach vier⸗
zehn Jahren glänzender Thätigkeit ward der Orden von dem
mißtrauischen König vertrieben; er ist darnach seiner welt—
geschichtlichen Aufgabe in Preußen zugezogen.
Die siebenbürger Deutschen aber, eine vornehmlich agrarische
Bevölkerung, blieben nunmehr zunächst auf sich angewiesen; der
große Freiheitsbrief des Jahres 1224, worin König Andreas
ihnen ihre althergebrachte Autonomie bestätigte, konnte wohl
ihre Rechte durch Jahrhunderte hin bis auf ein rechtverachtendes
Säkulum retten, nicht aber die Vereinsamung ihres Volkstums
beseitigen. Doch hielten sie sich tapfer während des Mongolen⸗
sturms um das Jahr 1240, während dessen die magyarischen