Dentsche Erfolge i. äußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis 1300. 381
Gebiete an den Rand vollen Verderbens und allgemeiner Verödung
gebracht wurden, und nach ihm wußten sie wenigstens einige
Fühlung zu erreichen mit den zahlreichen Deutschen, die, nun—
mehr gleich eifrig dem Ackerbau wie dem Bergbau zugewendet,
das nordwestliche Bergland Ungarns und die reichen Südhänge
der Karpathen zu besiedeln begannen.
Gleichzeitig aber ergoß sich der deutsche Einfluß in Ungarn
noch in einer anderen, fast wichtigeren Richtung. König Bela IV.
(1235- 1270), ein verständiger und thatkräftiger Fürst, ist recht
eigentlich der ungarische Städtegründer. Zwar blühte schon längst
in Ungarn ein gewisser Handel im Austausch von tierischen
Produkten, namentlich von Fellen gegen die feinen Wollgespinste
Flanderns und des Niederrheins und die Gewürze venetianischer
Einfuhr; in Pest saßen lateinische, wallonische, vor allem auch
deutsche Kaufleute. Eigentliche Städte aber, die über den
Rahmen fremdländischer Faktoreien hinausgingen, gab es schwer⸗
lich vor dem 13. Jahrhundert. Da begann nach dem Mongolen⸗
einfall, der die Wichtigkeit fester Plätze gelehrt hatte, die
Städtegründung nach deutschem Vorbild; Preßburg und Ofen
erhielten Magdeburger Recht, andere Handelsplätze folgten nach;
zuch an Neugründungen hat es nirgends gefehlt.
Es war eine Bewegung, welche die agrarische Eroberung
großer Teile Ungarns durch deutsche Besitzer in gewissem Grade
Tönte. Nun waren die vereinzelten Kolonieen des flachen Landes
durch städtischen Verkehr zu einem großen Ganzen verbunden,
dessen eigenartige Stellung die Einbeziehung Ungarns in den
Kreis der westeuropäischen Mächte, wie sie seit dem 14. Jahr⸗
hundert erfolgte, zum besten Teile bewirkt hat. —
Auf nahezu umgekehrtem Wege entwickelte sich der deutsche
Einfluß in Böhmen und Mähren. Hier war der Anschluß des
Zandes an das deutsche Reich alt und unverbrüchlich: seit 929
war Böhmen deutsches Lehen, seit 1028 auch Mähren, zunächst
mittelbat als böhmisches Zubehör, seit 1182 als unmittel⸗
hares Reichsfürstentum. Dieser Stellung entsprach der engste
Anschluß beider Länder an die Kultur des Westens in geistiger
vie materieller Hinsicht. Wie die Bischöfe von Prag und Olmütz