Dentsche Erfolge i. äußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis 1800. 883
reichen Gebirge Ostböhmens (Kuttenberg, Deutschbrod) von
Bedeutung geworden.
Vornehmlich von den Städten aus wurde dann das platte
Land Centralböhmens deutschem Einfluß und deutscher Besiede⸗
lung erschlossen. Neben dem Könige, den Klöstern und manchen
dechischen Adelsfamilien, wie z. B. den Herren von Drakoletz,
war es namentlich auch der deutsche Bürger, der als Unter⸗
nehmer deutsche Kolonisten ins Land führte. Aber freilich wirkte
die deutsche Kolonisation in Centralböhmen nicht so sehr für
dauernde Verbreitung deutschen Volkstums, als für Verbesserung
der verfahrenen sozialen Verhältnisse der Eechen. Die Deutschen
brachten an Stelle der Lechischen Landnutzungsweise in den
Formen mehr oder minder starker Hörigkeit ihr festes Erbzins—
recht mit; begierig ward es auch von den eechischen Bauern
erstrebt; so verbreitete es sich im Laufe des 14. Jahrhunderts
auch vielfach in die Cechendörfer und führte ein Zeitalter besserer
häuerlicher Zustände herauf.
Waͤhrend sich aber diese Wandlungen im Centrum Böhmens
vollzogen, ohne der deutschen Nationalität ein dauerndes Über—
gewicht zu verschaffen, wie es nur eine intensive und von der
städtischen Entwickelung unabhängige agrarische Überwältigung
der Cechen zu geben vermocht hätte, drangen in den deutsch⸗
dechischen Grenzgebirgen die Deutschen thatsächlich in dieser
Weise geschlossen und unaufhaltsam vor. Noch im Anfange
des 12. Jahrhunderts waren die Main⸗ und Rednitzwenden
nicht völlig germanisiert gewesen: jetzt, im Beginn des
13. Jahrhunderts, sind sie längst von der deutschen Vor—
wärtsbewegung nach den Urwäldern der böhmischen Grenz—
gebirge überholt. Allenthalben drängen die Deutschen, von
Norden wie Westen wie Süden her, über die Wasserscheiden
hinein in die böhmischen Hänge; immer häufiger erscheinen seit
Schluß des 12. Jahrhunderts Dörfer mit deutschem Namen!,
his die neuen Ansiedler sich schließlich den centralen Landschaften
1 Der erste reindeutsche Dorfname in Böhmen ist Neudorf an der
bairischen Grenze, 1196; vgl. Dudik, Allg. Geschichte Mährens 4, 261.