Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Deutsche Erfolge i. üußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis isoo. 385 
sie deutschen Einfluß: in diesem Jahre wird die Burg Nimptsch 
am Fuße des Eulengebirges, im Herzen Schlesiens, genannt: 
hier schützten vermutlich deutsche Ritter (Niemci) in slawischem 
Solde das Land südlich des Zobten, jenes Berges, der, die 
Landwarte Schlesiens, zugleich den Mittelpunkt des heidnischen 
Kultus und der völkerschaftlichen Kultusverbände der Slawen 
bildete. 
Politisch war Schlesien schon damals ein Teil des pol— 
nischen Reiches, wenngleich die Lechischen Herrscher Böhmens 
dies vielfach bestritten. Deutlich wird der Zusammenhang 
namentlich in den Zeiten Boleslaw Chrobrys und wieder 
Boleslaws III., jener Polenkönige, die in den ersten Dezennien 
des 11. und 12. Jahrhunderts die Herrschaft ihres Landes zu 
hoher Blüte brachten. Aber auch in seinen Kulturbeziehungen 
neigte Schlesien seit dem 11. Jahrhundert deutlich zu Polen. 
Das Bistum Breslau war dem Erzbistum Gnesen unter⸗ 
geordnet, und der polnische Klerus beider Diöcesen entwickelte 
fich ohne Anlehnung an Deutschland, zeitweis sogar ohne starke 
Einwirkungen Roms, unter byzantinischem Einfluß. Als dann 
in Polen seit dem 11. Jahrhundert die Hingabe an das roma— 
nische, namentlich französische Wesen einzutreten begann, die, 
seit dem 16. und 17. Jahrhundert von neuem genährt, bis zum 
heutigen Tage trotz aller Enttäuschungen nicht verleugnet wird, 
da hat auch die schlesische Bevölkerung diese Wendung mitgemacht: 
Augustiner aus der Grafschaft Artois erhielten im Jahre 1109 
zu Gorkau auf dem Zobten ein neues Heim, von ihnen sind dann 
weitere Pflanzstätten wallonischen Lebens ausgegangen. Prämon⸗ 
— unmittelbar von ihren fran⸗ 
zösischen Heimsitzen aus mit ihrem Einflusse ins Land; Bischof 
Walther von Breslau hat Liturgie und Ritus seines Bistums 
nach dem Vorbilde der Diöcese Laon geordnet. 
Indes während die polnisch-politischen und die französisch⸗ 
geistlichen Einwirkungen Schlesien noch beherrschten, bereiteten 
in der Urzeit berühren uns hier nicht: erwähnt sei nur, daß das Land 
seinen Namen vermutlich von dem Stamme der Silingen trägt. 
Lamprecht, Deutsche Geschichte III. 25
	        
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