Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

386 Zehntes Buch. Drittes Kapitel. 
sich während des 12. Jahrhunderts, seit dem Tode des Königs 
Boleslaw III. (1138) die Ereignisse vor, welche das Land dem 
deutschen Einfluß eröffneten. Boleslaw hinterließ das polnische 
Reich mehreren Söhnen unter Einsetzung eines Seniorates; 
es war eine slawische, aber bisher gern vermiedene Erbfolge— 
ordnung; sie führte zum Sturze des Reiches. Zwar siegte einer 
der Söhne, Wladislaw, zeitweis ob, so daß eine neue Gesamt— 
herrschaft über das Reich begründet ward, doch mußte er schließ— 
lich vor revolutionären Bewegungen des Adels und Klerus nach 
Deutschland entfliehen. Da gaben denn seine nahen Beziehungen 
zur Stauferfamilie dem Kaiser Friedrich J. Anlaß, sich der 
polnischen Dinge anzunehmen. Im ruhmreichsten Zuge, den je 
ein deutscher Herrscher gegen Polen unternommen, drang er im 
Jahre 1157 bis Posen vor!; sein Erscheinen, obwohl zunächst 
ergebnislos, hatte doch später zur Folge, daß den Söhnen 
Wladislaws, der im Jahre 1163 starb, Schlesien im Umfang 
der Diöcese Breslau zur Abfindung der alten Ansprüche des 
Vaters gewährt ward. Mit diesen Söhnen kamen nun deutsch 
gewordene, deutsch gesinnte Herrscher ins Land; der jüngste, 
Konrad, noch ein Knabe, ward eben erst in einem deutschen 
Kloster erzogen, die älteren, Boleslaw der Lange und Mesko, 
hatten in bildungsfähigen Jahren fast zwei Jahrzehnte deutscher 
Kultur auf sich wirken lassen. 
Während Oberschlesien an Mesko fiel und slawisch blieb, 
ist Boleslaw der Begründer deutschen Wesens im weiteren Thale 
der Oder bis zu den nördlichen Grenzen Schlesiens geworden. 
Mit den Formen einer höheren nationalen Wirtschaft von 
Deutschland her bekannt, einer besseren Lebenshaltung zuge— 
than und darum geldbedürftig über die Mittel hinaus, welche 
die gewohnte Herrschaft über slawische Unterthanen gewährte, 
rief er Deutsche ins Land und lud sie zur Urbarmachung der 
großen Waldwüsten des herzoglichen Fiskus ein gegen Zins 
und Zehnt. Daneben gründete er schon Städte für deutsche 
1 Val. oben S. 128, 345.
	        
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