Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

388 Zehntes Buch. Drittes Kapitel. 
Klöster Lond und Priment, polnische Güter wurden vielfach 
an schlesische Stifter verliehen; in Krakau begann eine deutsche 
Bürgergemeinde zu entstehen und ward zusehends wichtiger. In 
Schlesien selbst ward unter Heinrich eine Anzahl neuer Siede— 
lungen der Cisterzienser, Augustiner-Chorherren und Prämon⸗ 
stratenser begründet: sie haben das linke Oderufer bis zum Ge— 
birge hin, vornehmlich zwischen Bober und Neiße, besiedeln 
helfen; vor allem aber wurden deutsche Städte angelegt nach 
Magdeburgischem Rechte: Neumarkt und Goldberg, Neiße und 
Ohlau, Oppeln, Ratibor u. a. m. verdanken der Zeit Heinrichs 
ihren deutschen Charakter. 
Dies emporblühende Leben ward nach dem Tode Heinrichs J. 
nur zeitweilig unterbrochen durch den großen Mongoleneinfall 
des Jahres 1241. Hier bleibt es der Ruhm Schlefiens, zum 
erstenmal als großes Vollwerk Deutschlands dem Siege der 
Unkultur östlicher Steppen über das Leben in Mitteleuropa 
gewehrt zu haben. Herzog Heinrich II. selbst fiel in der Schlacht 
auf der Wahlstatt (9. April 1241); die Mongolen, obwohl 
Sieger, zogen durch das mährische Gesenke von dannen. 
Nach Heinrichs II. Tode ward das große schlesisch-polnische 
Reich unter fünf Söhne geteilt: dabei entzogen sich das heutige 
preußische Polen und das Land um Krakau bald der schlesischen 
Herrschaft, auch die lausitzer Gebiete sind später verloren ge⸗ 
gangen: Schlesien war in seinen verschiedenen Herrschaften wieder 
auf den Umfang der heutigen Provinz beschränkt. Zudem 
kam es unter den Brüdern zu blutigen Zwisten, die namentlich 
durch den ältesten Bruder Boleslaw veranlaßt wurden, einen 
wilden Gesellen, der, zeitweis im Lande flüchtig umherirrend, 
nur die Gesellschaft eines fahrenden Fiedlers genoß: eine Zwitter⸗ 
gestalt deutsch-slawischen Blutes, aus der die slawische Barbarei 
immer wieder durch die Oberschicht germanischer Kultur empor⸗— 
züngelte. 
Die Ohnmacht, n die das Land verfiel, sowie der Gegen⸗ 
satz, der sich politisch zu Polen entwickelt hatte und durch kirch— 
liche Streitigkeiten zwischen dem polnischen Episkopat und dem 
Bischof von Breslau über einige durch die deutsche Einwande—
	        
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