Deutsche Erfolge i. äüußersten Osten; Schicksale d· Kolonisation bis 1300. 389
rung höchst verwickelt gewordene Zehntenfragen noch gesteigert
ward, draͤngte jetzt immer mehr zu einem Anschluß nach Westen.
Freilich kam hier das Reich nicht mehr in Betracht: es waren die
Zeiten staufischen Niedergangs. Dagegen erhob sich eben jetzt in
Böhmen unter Otokar II. eine gewaltige cechische Macht. Im
Jahre 1254 finden wir nun Otokar in Breslau als Friedensstifter
uͤnter den herzoglichen Brüdern. Indes gelangte die dechische
Politik doch einstweilen noch nicht zum Ziele der Besitzergreifung,
und bei der gleichzeitigen Abwendung von der Nation und
Kirche Polens blieb Schlesien in einer wenn auch unsicheren,
doch immerhin so selbständigen Lage, daß der Verdeutschung noch
weitere mächtige Fortschritte gelangen.
Zwar auf dem platten Lande begann der polnische Klerus
seit etwa 1260, nachdem schon 1500 deutsche Dörfer neu ent⸗
standen und gegen 130-180 000 Deutsche eingewandert waren,
die Ansiedelung von Deutschen mit steigendem Erfolge zu be—
kämpfen: es sind die Anfänge einer heute noch befolgten Politik.
In den Städten dagegen kam eigentlich erst jetzt das große Zeit⸗
Alter der Germanisation zur vollen Blüte. Breslau wurde
als deutsche Stadt ausgethan; daneben traten, außer einer Fülle
fleinerer Städte, Landshut und Trebnitz, Brieg und Liegnitz,
Glogau und Beuthen und Neiße. Und schon regte sich's in den
Städten zu eigenem Leben; Breslau schließt im Jahre 1261
mit dem Landesherrn einen sehr günstigen Vergleich betreffs
städtischer Selbständigkeit ab; auch anderswo zeigen sich längst
bor Schluß des 18. Jahrhunderts die Anfänge eines mehr
oder minder autonomen Rates.
Diese Impulse wurden von den bürgerlichen Kreisen auf
die Landesherrschaft selbst übertragen, als in Heinrich IV. dem
Lande aus piastischem Hause noch einmal ein glänzender, deutsch
gesinnter Herrscher erstand. Es ist jener Heinrich, der an seinem
Hofe die Spätblüte des deutschen Minnesangs pflegte; der
Tanhuser hat in seinem Lande geweilt, und er selbst lebte und
dichtete in den Idealen deutschen Rittertums. Von Haus aus
nut ein kleiner Teilfürst des Landes, stand er anfangs unter
dem übermächtigen Einflusse Otokars II. von Böhmen; wie seine