Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Deutsche Erfolge i. Außersten Osten; Schicksale d. Nolonisation bis 1800. 897 
eine Zeit größter innerer Schwäche: die deutschen Könige ver⸗ 
mögen immer tiefer einzugreifen, das Land wird schließlich 
lehnsrührig vom Reiche. 
Anlaß zu diesem Verfall gab weniger eine soziale und 
politische Zersetzung des Volkes, als der ewige Zwist um die 
Thronfolge innerhalb der Königsfamilie: altgermanisches Erb⸗ 
recht, wonach Bastarde gleich erbten mit den Söhnen voller Ehe, 
vonach noch die Schwestersöhne dem Oheim zu folgen berechtigt 
schienen, lag im Kampfe mit neueren christlichen Anschauungen. 
So ward das Land zerrissen, ein Raub innerer Kriege und von 
außen kommender Plünderung durch die slawischen Piraten des 
Festlands. Diesem Wesen machten König Waldemar der Große 
sseit 1157) und sein nicht minder großer Kanzler Absalon, 
Erzbischof von Lund, ein Ende. Waldemar gelang es, die Erb⸗ 
folge im Sinne der neueren Anschauungen zu regeln, obwohl 
diese von einem Teil seines Volkes als deutsch heftig befehdet 
wurden; im Jahre 1171 ward sein Sohn Knut, erst achtjährig, 
zum königlichen Nachfolger gewählt. Darauf ging er gegen 
die slawischen Seeräuber vor, unter deren Anfällen ganze Inseln 
des Reiches verödet oder wenigstens tributfällig darniederlagen. 
In der Bekämpfung dieses Unwesens traf Waldemar mit 
Heinrich dem Löwen zusammen. In gleichem Interesse wandten 
— bis unter den Fortschritten 
slawischer Befriedung die gegensätzliche Richtung ihres Strebens 
immer mehr hervortrat: beide wollten sich nicht mehr bloß vor 
den Slawen schützen, sie wollten die slawischen Länder erobern. 
Jedermann deutlich war ihre Nebenbuhlerschaft seit der Eroberung 
Rügens durch die Dänen (1168); bei den Angriffen Kaiser Friedrichs 
auf die sächsisch-slawische Stellung Heinrichs hat Waldemar sich 
zurückgehalten, bis die Niederlage seines Rivalen sicher schien: 
dann begrüßte er den Kaiser frohlockend in Lübeck. 
Und nun begann ein Zeitalter dänischer Eroberung der 
Ostseeländer. In Holstein waren nach Heinrichs Sturz Zwistig⸗ 
keiten zwischen den Grafen und dem Adel eingetreten, der Adel 
entwich teilweis nach Dänemark; im Jahre 1200 bemächtigten 
iich die Dänen des Landes. Schon vorher waren die slawischen
	        
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