Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Achtes Buch. Erstes Kapitel. 
greifen eines neuen Berufes nahelegte; sie erwuchsen aus zu— 
gezogenen Freien, sie zählten in ihren Reihen gewiß auch Ab— 
kömmlinge manches Hörigen oder Unfreien vom Lande. 
Für die Fahrt ward von der Fahrtgenossenschaft jeden⸗ 
—D00— 
Reisenden vor räuberischem Angriff; er gebot Recht unter den 
Genossen nach deren Spruch; er war für Bequemlichkeit und 
Ruhe des jeweils aufgeschlagenen Marktes verpflichtet. 
War die Fahrt beendet, so löste sich die Gesellschaft auf. 
Allein je regelmäßiger von einem bestimmten Handelsplatze aus 
solche Kauffahrten unternommen, je häufiger Fahrtgenossenschaften 
gebildet werden mochten, um so mehr mußte das genossenschaft⸗ 
liche Element zum ständigen Lebenselement werden: und wohl schon 
sehr früh wirkten damit die vorübergehenden Reisevereinigungen 
jeden Ortes auf die Begründung einer dauernden, heimischen Ge— 
nossenschaft der marktgesessenen Kaufleute ein. Es ist die zweite 
Entwickelungsstufe der frühmittelalterlichen Kaufgilde. 
Die ständige Genossenschaft mußte nun früh, einem allge— 
meinen Zuge des mittelalterlichen Genossenschaftsrechtes folgend, 
zur vollen Lebensgemeinschaft erwachsen. Zwar wurde sie 
auch jetzt formell auf meist nur kurze Zeit geschlossen, doch nur, 
um stetig erneuert zu werden. Im übrigen begründete sie für 
ihre Mitglieder gemeinsamen Gottesdienst und somit gemeinsame 
Hoffnungen für ein zukünftiges Leben; in Dortmund wurde die 
Gilde nach St. Reinold, dem Stadtheiligen, Reinoldsgilde be— 
nannt. Nicht minder sorgte die Gilde für eine enge Lebens— 
gemeinschaft im Diesseits in Fest und Frohsinn: Gilde bedeutet 
ursprünglich Opfer, Opferschmaus, erst abgeleitet geschlossene 
Gesellschaft; die Sachsen übersetzten das Wort mit Convivium, 
am Rhein gab man seinen Sinn mit Praternitas wieder. 
Die innere Organisation der Gilde ist zum großen Teile 
diesen Bedürfnissen geselligen Zusammenlebens angepaßt oder 
entsprungen; unter dem Aldermann, der auch bei der ständig 
gewordenen Gilde häufig als Vorsteher beibehalten wird, steht 
gern eine Anzahl von Gildebrüdern als Börseherren oder 
Schaffner: sie treffen die kleinen Einrichtungen für die Gesellig— 
keit des Tages, sie bedienen bei Schmausereien, sie kassieren die
	        
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