Städte und Bürgertum zur Stauferzeit. 33
Kauffahrten in regelmäßigen Zeitabschnitten durchzogen, an
Furten, an den Kreuzwegen großer Heerstraßen, an Wallfahrts—
orten, vornehmlich aber an den Punkten früheren großen Ver—⸗
kehrs und einstiger Römerherrlichkeit. Unter Karl dem Großen
kamen daneben Grenzmärkte empor; der Kaiser schloß aus
militärischen Gründen den lokalen Verkehr über die slawische
und awarische Grenze und konzentrierte den Grenzhandel an
einzelnen Orten, so in Hamburg und Bardewik, in Magdeburg
und Erfurt, in Regensburg und Lorch a. d. Donau.
Märkte, die auf diese Weise entstanden und vergingen,
fanden zumeist vor dem Orte, nach dem sie hießen, auf freiem
Felde statt; mit Vorliebe wurden Stellen etwa zwischen dem
vorbeifließenden Strome und dem Orte selbst gewählt, so in
Regensburg, in Straßburg, in Köln: an sie hat sich dann
später auch der ständige Markt geknüpft. Hier ward zu Zeiten
des Marktes der Strohwisch aufgesteckt: es ist wahrscheinlich,
daß er die Verfronung des Platzes bedeutete, seinen zeitweisen
Ubergang in speziell königliches Eigentum und damit in be—
sonderen königlichen Schutz und Frieden. An Stelle des Stroh⸗
wisches trat wohl auch die königliche Fahne, die etwa wie die
Kirchenvexille von einer Querstange wehte; daraus scheinen die
weitverbreiteten Marktkreuze entstanden zu sein. Und nach Art
des deutschen Rechtes, das in fortgeschritteneren Zeiten die nicht
mehr völlig verstandenen Symbole seiner Personen und Gedanken
zu häufen liebt, umgab man wohl das Kreuz noch mit den Leib⸗
zeichen des Königs, mit Hut und Schild, mit Handschuh und Schwert:
so hing man noch spät zu Esch a. d. Sauer im Luxemburgischen
während des Jahrmarktes an das Kreuz „ein hulzen schwert und
ein hulzen hand“. Es ist der Brauch, woraus sich anscheinend die
Rolandssäulen entwickelt haben: Roland war der Sage nach der
Träger des Schwertes, des Hauptleibzeichens Karls des Großen.
Aber längst, ehe diese Verschiebung in den Symbolen
königlicher Verfronung eintrat, waren die vorübergehenden
Märkte an allen größeren Verkehrsorten ständig, dauernd ge—
worden. Schon König Ludwig der Deutsche privilegiert stetige
Märkte; ihre hauptsächlichste Entstehungszeit aber deckt sich mit
Kamprecht Deutsche Geschichte III