164 Elftes Buch. Drittes LKapitel.
identisch werden mußten, namentlich aber auch durch die Ein⸗
wirkung der flandrischen Verhältnisse. Hier, an der letzten
Auslaufsstelle des großen international⸗orientalischen Handels,
unterhielten alle großen Städte gleich rege Beziehungen; hier
hatten sie auch alle das größeste Interesse gemeinsamer und eben
darum erfolgreicher Vertretung ihrer Angelegenheiten. Hier ist es
deshalb zuerst zur sicheren Vorstellung einer gemeinsamen Einung
aller und zum Versuche einer Gliederung dieser Einung ge—
kommen. Es geschah leise schon in den vierziger Jahren des
—0— Jahren: gerade
während der Zeit, da König Waldemar in die nordischen Ost⸗
seegebiete vordrang — zu rechter Zeit, um eine gemeinsame
durchschlagende Action der Städte gegen den Dänenkönig als
möglich erscheinen zu lassen.
Schon vier Tage nach der Einnahme Wisbys durch
Waldemar, am 1. August 1361, beschlossen die zufällig zu
Greifswald versammelten Bevollmächtigten der wendischen und
preußischen Städte eine Verkehrssperre gegen Dänemark, bald
darauf auch die Erhebung eines gemeinsamen Zolles für
Kriegszwecke: es war klar, daß sie Waldemars Vorgehen als
Friedensstörung betrachteten. Sie konnten sich bei diesem Vor⸗
gehen der Hilfe Schwedens und auch Norwegens, wo mittler⸗
weile Hakon, der Sohn des Schwedenkönigs Magnus, zur
Herrschaft gelangt war, gewiß halten; nicht minder trat
Holstein auf ihre Seite, während Mecklenburg sich zurückhielt.
Indes blieben sie gleichwohl, und namentlich die wendischen
Städte, Mittelpunkt der losen Coalition, die jetzt den Krieg
zegen Waldemar aufnahm. Im Frühjahr 1362 segelte eine
Flotte hansischer Schiffe gegen Dänemark aus. Aber das Glück
war ihr nicht hold. Während sie unter dem lübischen
Bürgermeister Johann Wittenborg Helsingborg auf Schonen
helagerte, wurde sie im Juli 1862 von den Dänen völlig
geschlagen, noch ehe eine angekündigte schwedisch-norwegische
Hilfe genaht war.
Es war ein Schlag, der die Städte alsbald entmutigte,
zumal sich die fürstlichen Bundesgenossen kaum geregt hatten.