Verfall des deutschen Einflusses nach außen, Kuin im Innern. 469
nach sich ziehen. Nirgends machte sich diese elementare Wahr—
heit furchtbarer geltend, als im deutschen Nordosten, in jenen
kolonialen Gebieten, deren Bedeutung sich unter dem kräftigen
Aufschwung der Hanse zu einem Einfluß auf den gesamten
europäischen Norden und Nordosten erweitert hatte.
Hier hatte das Jahr 1370 für die Hanse einen Höhepunkt
sondergleichen bedeutet; nach ruhmreichem Kriege hatte sie
mit dem Dänenkönig Waldemar Atterdag einen Frieden ge—
schlossen, der die nordischen Reiche ihrem Machtwort auf
lange zu öffnen schien!. Allein bald darauf erlahmte die
lübisch-hansische Politik. Das Patriziat in den Städten ging
in Wohlleben auf, und von Süden her nahte die Zunftbe—
wegung den kommerziell⸗aristokratischen Gebieten. Im Jahre
1374 durchtobte der Aufruhr Braunschweig; Städte wie Stade,
Hamburg, Anklam folgten, 1884 wurde in Lübeck eine zünft—
lerische Verschwörung eben noch in letzter Stunde entdeckt. Im
Jahre 1408 kam es dann hier zum wirklichen Aufstand; er führte
zu einer etwas demokratischeren Kirchspielsverfassung. Im ganzen
aber siegte in Lübeck wie in anderen Hansestädten der Rat:
Verknöcherung der Geschlechter, dauernd revolutionäre Stimmung
der Gemeinden war die Folge.
Diese Lage kam den nordischen Reichen zu gute. In
Dänemark ward nach dem Tode König Waldemars (1375) der
fünfiährige Olaf von Norwegen zum König gewählt unter
kurzsichtiger Beihilfe seitens der Hansen; die Regierung führte
für ihn seine Mutter Margaretha, die Semiramis des Nordens, an
Klugheit und Energie die echte Tochter Waldemars. Margaretha
gewann die Sympathien der Hanse, dann wandte sie sich gegen
Schweden, das noch der deutsche König Albrecht, ein Sohn
des großen Mecklenburger Herzogs Albrecht, umgeben von zahl—⸗
reichem deutschen Adel, beherrschte. Sie gewann das Land:
nachdem ihr Sohn gestorben, herrschte sie unumschränkt in den
drei nordischen Reichen: die Kalmarer Union des Jahres 1397,
die, nur von Schweden durchbrochen, bis zum Jahr 1524 be⸗
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