128 Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel.
stirbt, sagt er im Weißkunig, so folgen ihm nichts nach denn
seine Werke. Wer ihm in seinem Leben kein Gedächtnis
macht, der hat nach seinem Tod kein Gedächtnis, und
desselben Menschen wird mit dem Glockenton vergessen; und
darum so wird das Geld, so ich auf die Gedächtnis aus—
gebe, nicht verloren.“ Aber trotz dieser Grundsätze war er
als Mäcen doch karg; er kannte nicht das Wagegefühl des
fanatischen Gönners. Seine Bestellungen hielten sich im
ganzen in den Grenzen seines stets leichten Beutels, und die
naterielle Förderung mußte durch die an sich gewiß schätzens—
werten Ehren der kaiserlichen Dichterkrönung und die Gabe
leutseligen Verkehrs mit den Künstlern ersetzt werden. Aber
auch das schon war recht viel wert gegenüber der späteren
Interesselosigkeit des volksfremden Kaisers Karl; und mit
tausend Gedichten, Lobsprüchen und Bildern haben Poeten
und Künstler dem guten Kaiser Mar seine Teilnahme von
Herzen gedankt.
Neben dem Kaiser aber rückten auch die Fürsten, teilweis
unmittelbar von ihm angeregt, in die Linien geistigen Inter—
esses. In der That waren sie hierfür recht eigentlich geboren:
ihnen und ihrem Hofhalt nicht minder wie dem Großbürger—
tum waren die wirtschaftlichen und sozialen Wandlungen vom
14. zum 15. Jahrhundert zu gute gekommen. Freilich hat Äneas
Sylvius noch vergebens an Erzherzog Sigmund von Tirol und
Ladislaus Posthumus zwei Traktate über feinere Prinzen—
erziehung geschrieben, und verzweifelt hat er um die Mitte des
15. Jahrhunderts von den deutschen Fürsten geäußert: „Wenn
sie lieber Pferde und Hunde haben wollen, als Poeten, so
werden sie auch ruhmlos, wie Pferde und Hunde, dahinsterben.“
Indes bald kam der Umschwung. In Brandenburg und in
der Pfalz hatte man schon länger an dem neuen geistigen
Leben Anteil gesucht; eigentliche Märene wurden dann Eber—
hart von Württemberg (1445—98), der Stifter der Tübinger
Hochschule, Friedrich der Weise von Sachsen (1463 - 1526),
der Begründer der Universität Wittenberg, der Liebhaber der
Werke Vischers und Dürers, der Gönner Spalatins, und der