130 Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel.
u. dgl., als Kuriosum unterhielten, oder wenn hier und da
im Ziergarten eine seltene Pflanze gezogen ward.
Eine Anderung in dieser geistigen Haltung begann sich seit
Ende des 14. Jahrhunderts bemerklich zu machen. Kaufleute, wie
der Kölner Hermann von Goch, Gelehrte, wie Johann von Neu—
markt, suchten jetzt während der heißen Zeit Sommerfris chen auf,
um fern dem Treiben der Stadt dem Ganzen der Natur zu leben;
und die Empirie zunächst des kaufmännischen Reisens führte
zur Vergleichung verschiedenartiger landschaftlicher Gesamtbilder.
Die Welt als eine Reihenfolge von Landschaften und Schau—
plätzen wechselnden Volkslebens that sich vor den erstaunten
Blicken auf, und fühlte der Deutsche auch deren kosmographischen
Zusammenhang noch nicht soweit, um in das Wort des Kolumbus
mondo é poco einzustimmen, so wußte er sich doch den Inhalt
und Charakter namentlich verschiedenartigen Volkslebens ein—
gehend klar zu machen. In dieser Art geben Hans Schilt⸗
berger aus München (1425) oder Bernhard von Breitenbach
(1486) ihre Reisebeobachtungen; dabei wird die Natur noch
nicht an sich dargestellt, die Pflanzenwelt bleibt fast unbeschrieben,
von den Tieren werden nur die seltsamen oder reißenden ge—
schildert; aber aus den dramatisch gezeichneten Erlebnissen der
Reisenden selbst tritt doch im Reflex nationaler Charakter und
sandschaftlicher Typus überzeugend hervor.
Und schon gesellten sich zu diesen empirischen Versuchen
einer Bewältigung der Außenwelt die Anfänge einer wissenschaft—
lichen Geographie; hier arbeiteten auf dem Gebiete der deut—
schen Landeskunde Wimpheling und Celtes, hier waren Münster
und Sebastian Franck als Kosmographen thätig, und Peur—
bach mit seinem Schüler Regiomontan wie der Elsässer Wald—
seemüller gaben den Seefahrern verbesserte Messungsinstrumente,
dehnten die von den Alten nur auf einen kleinen Teil der
Erdoberfläche angewandten Kartenprojektionen auf die ge—
samte Kugeloberfläche der Erde aus und sprengten so den zu
eng gewordenen Rahmen der geographischen Anschauungen des
Ptolemäus.
Der Entwicklungsgang vom Einzelnen aufs Ganze, den in