Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

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Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
Mit König Max tritt ein lebensfrisches Element an die 
Führung der deutschen Geschicke. Er war ein mutiger Fürsten— 
sohn, ein Meister aller körperlichen Übungen, ein leidenschaftlicher 
Jäger. Hohe geistige Begabung zeichnete ihn aus; mit Leichtigkeit 
meisterte er acht Sprachen; und mit der linguistischen Fertigkeit 
verband er praktisch-mathematischen Sinn; als Ingenieur 
und militärischer Techniker hat er Hervorragendes geleistet. So 
war höchstens seine Vielseitigkeit sein Unglück; fie gab ihm eine 
Versatilität des Geistes, die, von den Zeitgenossen bewundert, 
den nachgeborenen Betrachter seiner Politik in Schrecken setzt. 
Und ein so reicher Geist, stand er zudem noch an der Grenz— 
scheide zweier Zeitalter! Es konnte nicht anders sein, als daß 
er sich mit phantastischen Vorahnungen einer kommenden, neuen 
Zeit nicht minder durchdrang, als mit zäh realistischen, von früher 
her überlieferten Bildungselementen der alternden; er war 
zugleich der Mäcen der Renaissance und der letzte Ritter. 
A— 
wechselnd, ja unstet erschien er in seinen Entschlüssen ; und bei 
allem liebenswert Menschlichen, das ihm eine wohlverdiente 
Volkstümlichkeit eintrug, ist er schließlich doch an dem Mißtrauen 
andrer nicht minder, wie an eigner Enttäuschung gescheitert. 
Doch von diesem Ausgange ahnte das Jahr 1486 noch 
nichts; es kannte König Max vielmehr als einen Mann, der 
wiederholt schon mit glücklichster Hand über die astrologischen 
Träumereien des Vaters hinweg in die Geschicke der Nation 
eingegriffen hatte. 
Vor allem im Westen war das geschehen. Hier hatte Herzog 
Karl der Kühne von Burgund kein Hehl aus der Enttäuschung 
gemacht, mit der er aus den Trierer Verhandlungen des Jahres 
1473 mit dem Kaiser geschieden war!. Sein Mittel war von 
nun ab die Gewalt: sede Einwirkung, die ihm die deutschen 
Verhältnisse zur Trübung des Reichsfriedens gewährten, ward 
von ihm freudig begrüßt. 
Eine Lage, diesen Zielen entsprechend, ergab sich bald am 
S. Band IV Buch XIII Kapitel 3 Nr. III.
	        
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