Religiöse Bewegung; Luther.
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hat, von kurfürstlich sächsischen Reitern aufgehoben und zur
Wartburg gebracht. Luther wußte seit den letzten Zeiten in
Worms, daß er in Sicherheit gebracht werden würde; so hatte
es sein vorsichtiger Kurfürst beschlossen. Im Reiche aber blieb
sein Schicksal noch lange ein Rätsel, und Thränen flossen um
den Verbleib des Totgeglaubten. „O Gott, ist Luther tot,“
schrieb Dürer in das Tagebuch seiner niederländischen Reise,
„wer wird uns hinfort das heilige Evangelium so klar vor—
tragen?“
In Worms haͤtte sich inzwischen der Kaiser mit den
Ständen über die Ordnung des neuen Reichsregiments und
die Anforderungen für die auswärtige Politik verständigt. Es
blieb nur noch die Sache Luthers übrig. Klug wartete Karl
mit der Erledigung, bis die Kurfürsten, deren Widerspruch er
zu gewärtigen hatte, Friedrich von Sachsen und Ludwig von
der Pfalz, Worms verlassen hatten, und bis er sicher berichtet
war, daß der Papst, bisher Frankreichs Freund, in dem
drohenden Kampfe mit König Franz auf seiner Seite stehen
werde. Darauf, am 25. Mai nachmittags, nahm er die
Kurfürsten und Fürsten, die noch anwesend waren, aus einer
Beratung im Wormser Rathaus mit sich in seine Residenz.
Hier verlasen die Nuntien zunächst ein dem Kaiser sehr günstiges,
einige den Luther freundlich gesinnten Kurfürsten sehr abgünstige
Schreiben des Papstes. Darauf, nachdem Stimmung gemacht
war, zog der Kaiser ein Mandat hervor, das Aleander schon
am 8. Mai, am Tage der politischen Verbindung des Kaisers
und des Papstes gegen Frankreich, in kaiserlichem Auftrage
geschrieben hatte: es sei das Edikt in Sachen Luthers; der
Kanzler werde es verlesen. Es geschah, und Kurfürst Joachim
nahm es auf sich, namens der teilweis schon abgereisten Stände
zu erklären, es entspreche ganz der Meinung des Reichstags.
Am andern Morgen hat es Karl unterzeichnet, und auf den
8. Mai zurückdatiert wurde es nunmehr im Reiche verbreitet.
Das Wormser Edikt zählt die Ketzereien Luthers auf; es
bezeichnet Luther als den bösen Feind in Menschengestalt, der
einen Haufen alter Irrtümer in eine stinkende Pfütze ver—
Lm precht. Deutsche Geschichte V. 19