Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

8344 Fünfzehntes Buch. Zweites Kapitel. 
und rheinischen Aufstände vernahmen, traten sie auch ihrerseits 
ein in die revolutionäre Bewegung. 
Schon durch diesen Zuwachs wurde dem Denken der 
bäuerlichen Empörer ein weiterer Ideenvorrat erschlossen. In 
den letzten Jahren war die Reformation Kaiser Sigmunds vom 
Jahre 1488 wiederholt gedruckt worden, diese gute Kodifikation 
städtischer und ländlicher Beschwerden, in der nach Abhülfe 
alles Unheils durch das Reich gerufen wird; im Jahre 1521 
hatte der städtische Franziskaner Eberlin von Günzburg zu 
Ulm die Statuten aus dem Land Wolfaria erscheinen lassen, 
die das Ideal eines neuen Einheitsstaates auf demokratisch— 
agrarischer Grundlage entrollten; und jetzt wurde das Büchlein 
von „Teutscher Nation Notturft“ kolportiert, das verwandte 
Gedanken mit konkretem Hinweis auf das Reich entwickelte. 
Und diese Einflüsse wurden von anderen, noch viel mächtigeren 
unterstützt. Auch der Adel verhielt sich gegenüber den bäuerlichen 
Bewegungen in Franken nicht ablehnend, obwohl er äußerlich 
teilweise zur Teilnahme gezwungen ward. Und was bedeutete 
er hier! Das Gebiet des Aufruhrs war nach Osten und Westen 
von den Gebieten jener Reichsritterschaft flankiert, die in den 
Jahren 1522 und 1523 auf eine Reichsreform gehofft hatte 
und in dem Sturze Sickingens aufs tiefste getroffen worden war. 
Sollte sie nicht noch einmal versuchen, das Haupt zu erheben 
und, dann freilich rettungslos revolutionär, mit Bauern und 
Städten Sturm zu laufen gegen die Fürsten zur Befreiung des 
Kaisers, zur Errichtung des geträumten neuen, glänzenden, 
großen Reiches deutscher Nation? Und schon sah die Ritter— 
schaft in dieser Richtung ein klares politisches Programm vor 
sich; es ist niedergelegt in der pseudonymen, der Reformation Kaiser 
Sigmunds nachgebildeten Reformation Kaiser Friedrichs III. 
Dies Programm geriet nun auch in die Hände der Bauern— 
führer, und es ward von ihnen in wesentlichen Punkten an— 
genommen. Als ein Reformentwurf für das Reich, bearbeitet 
von Wendel Hipler, einem ehemaligen pfälzischen Landschreiber, 
und Friedrich Weigant, vormals mainzischem Kellner, verließ 
es die Kanzlei der fränkischen Bauern zu Heilbronn. Es faßt
	        
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