Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Kaiser Maximilian J.; Königtum und Reichsstände. 35 
losgezogen; man soll bis zu dem Gedanken fortgeschritten sein, 
ihn auch formell noch abzusetzen. 
Indes klar war schließlich doch nur eins: beide Parteien, 
König wie Fürsten, hatten in ihrem gegenwärtigen Kampfe den 
Boden der neuen Verfassung verlassen. Es war eine Lage, die 
ohne weiteres zum Vorteil des Königtums, als der geschichtlich 
tiefer begründeten Macht, ausschlagen mußte. Vollendet ward 
der Umschwung durch die Uneinigkeit der Fürsten. Wieder 
zeigte sich einmal, welchen Vorteil die Krone schon in der Einheit 
ihres Trägers besaß gegenüber den zahlreichen im Regiment 
bertretenen Ständen, die bereits in der Frage der finanziellen 
Unterhaltung des Regiments Anlaß zu nie endenden Streitig— 
keiten fanden. Schließlich wurden die Summen zur Besoldung 
des Regiments nicht mehr aufgebracht; ja auch das Kammer— 
gericht, die erste Errungenschaft der ständischen Bewegung, ging 
aus Mangel an finanzieller Sicherung zeitweis auseinander. 
So sahen die Jahre 1502 und 1503 den vollen Triumph 
des Königs. Er trat auch äußerlich zu Tage. Neben dem 
alternden Fürstengeschlecht, dem Träger der föderalistischen 
Ideen, war jetzt eine jüngere Generation von Fürsten empor— 
gewachsen, die zu dem etwas älteren und erfahreneren König 
nicht minder emporsah, als die für den ritterlichen Herrscher 
begeisterten Massen der Nation. Ihr Einfluß zeigte sich besonders 
lebhaft in den bayrischen Wirren der Jahre 16030 1505. Nach 
dem Tode Herzog Georgs des Reichen von Landshut erhob sich 
nämlich zwischen dem pfälzischen Wittelsbacher Ruprecht und 
den bayrisch-münchener Wittelsbachern Albrecht und Wolfgang 
Zwist über das Erbe des Verstorbenen. In diesen Streit suchte 
Max vermittelnd einzugreifen, indem er zugleich einige Teile 
des Erbes für das Haus Habsburg beanspruchte. Allein Ruprecht 
wollte von solcher Vermittlung nichts wissen und setzte sich in 
die Gewalt des Erbes. Hiergegen ging nun Max entschieden 
vor, ächtete Ruprecht und wußte mit Hilfe der pfälzischen 
Rachbarn die Acht kriegerisch zu vollstrecken; überall sah man 
den Fortschritt der königlichen Waffen, als Ruprecht starb. 
Darauf riß der König die Schlichtung der Streitigkeiten
	        
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