LKaiser Maximilian J.; Königtum und Reichsstände. 45
im reinen Interesse nur der Niederlande selbst geleitet war,
so suchte er alsbald die Freundschaft Frankreichs. Sie
ward erreicht in einem Vertrage von Noyon vom 18. August
1516.
Was vermochte nun der Kaiser gegenüber dieser allgemeinen
Wendung? In Italien versuchte er im engen Verbund mit
England die franzosenfeindliche Sache aufrecht zu erhalten:
völlig vergebens. In den Niederlanden konnte er unmöglich
gegen die Politik seines Enkels vorgehen; es wäre der Selbst⸗
ord des Hauses Habsburg gewesen. So änderte er seine
Politik nochmals radikal; am 8. Dezember 18516 warf er sich
von neuem Frankreich in die Arme, indem er dem Vertrage
von Noyon beitrat.
Es war das Ende seiner äußeren Bestrebungen; nichts
hatte er aus ihrem völligen Schiffbruch gerettet, als die Einheit
und die künftige Größe seines Hauses. Der Kaiser fühlte zu
deutsch, als daß ihm dieser Abschluß hätte genügen können; es
bezeichnet seine Stimmung, wenn er in seinen letzten Jahren
wiederholt geäußert hat: „Mir ist auf der Welt keine Freude
mehr.“ Und wenn er traurig hinzusetzte: „armes deutsches
Land“, so hatte er mit diesem Ausrufe leider nicht bloß im
Hinblick auf die äußere Lage des Reiches, sondern ebenso mit
Rücksicht auf die inneren Zustände recht.
Seit dem Reichssstag von Konstanz, 1507, war es wohl
noch zu den mannigfachsten Anläufen einer Reform, nicht mehr
aber zur Reform selbst gekommen. Dagegen waren bei dem
stets schwächer werdenden Interesse am Reiche selbst und seiner
Zukunft sowie bei dem gänzlichen Verfall der monarchischen
Gewalt die ständischen Gegensätze wieder stärker hervorgetreten.
Wir werden bald sehenn, wie der zunehmende Reichtum der
Burger in den Städten Erscheinungen großkapitalistischer Wirt⸗
schaft geschaffen hatte, deren Gewicht schwer auf den allgemeinen
wirtschaftlichen Zuständen der Nation lastete. Gewiß that man
S. unten Kapitel II